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Im
August 1953 fanden in Bukarest die Weltfestspiele der Jugend und Studenten
statt, zu denen mich die "Tägliche Rundschau" mit zwei
weiteren Kollegen als Korrespondenten schickte. Das war meine erste
Auslandsreise und mein erster Flug. Dennoch sind meine Erinnerungen
daran ziemlich verblasst. Der Flug war etwas umständlich. Zunächst
flogen wir nach Prag. Dort lagen aber schon viele fest, weil sie wegen
der beschränkten Kapazitäten nicht weiterkamen. Der tschechoslowakische
Jugendverband betreute uns, unternahm mit uns Stadtführungen durch
Prag, bis wir dann schließlich einen Anschlussflug hatten.
Bukarest war früher als das "Paris des Balkans" bezeichnet
worden. Von diesem Flair war noch einiges zu spüren. Allerdings
sind wir auch gelegentlich angebettelt worden, was ich von der DDR gar
nicht kannte. Ein besonderes Kennzeichen dieser Weltfestspiele war "Perenitza".
Das war ein Tanz auf allen Plätzen, bei dem alles im Kreis ging.
Ein Junge nahm ein Taschentuch, legte es vor einem Mädchen nieder,
kniete sich nieder, sie kniete sich dazu, man küsste sich. Dann
nahm das Mädchen das Tuch, suchte sich einen Jungen und so weiter
und so weiter. Welche Berichte ich aus Bukarest verfasst habe, weiß ich im einzelnen nicht mehr. Einer war auf jeden Fall über den Karneval der Jugend, einen der Glanzpunkte des Festivals. Die ausgedehnten Parkanlagen, die großen Plätze waren von turbulentem Treiben erfüllt. Normalerweise verkleidet man sich bei einem Karneval. Aber bei einem so internationalen? Man zieht sich vielleicht als Araber an, wird aber für einen echten gehalten, und es hatte eigentlich keinen Sinn.
Unsere
Dolmetscherin hieß Hortensia. Sie sprach aber nur Englisch. Die
rumänische Seite hatte nicht genügend Deutsch-Dolmetscher.
Da meine Kollegen kein Englisch konnten, blieb sie meistens bei mir.
Ihr Vater war Oberst in der königlichen Armee gewesen und saß
nun verbittert zu Hause. Ihre Mutter stammte aus einer Familie mit demokratischen
Traditionen und war froh, dass ihre Tochter jetzt selbständig ihren
Lebensweg gehen kann, was ihr selbst verwehrt war. Eines Tages sang
Hortensia plötzlich "O Tannenbaum..." Als Kind hatte
sie ein deutsches Kindermädchen gehabt, und von damals kam jetzt
einiges wieder hoch. Sie gefiel mir sehr, und wir haben dann auch nach
den Weltfestspielen noch einige Zeit korrespondiert. |
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