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Um
nach Bagdad zu kommen, flogen wir zunächst nach Budapest, und zwar
mit der "Deutschen Lufthansa". Denn im Wettrennen um den traditionellen
Namen hatte die DDR gewonnen, sie war gegenüber der BRD zuerst
in der Luft. Doch da die Bundesrepublik juristisch dagegen vorgegangen
war, und Flüge in westeuropäische Länder dadurch nicht
möglich wären, wurde später der Name INTERFLUG gewählt.
Von Budapest ging es dann weiter mit der skandinavischen SAS. Doch zuvor
wurden wir auf dem Flugplatz ausgerufen. Eine Bodenstewardess übergab
uns ein großes Kuvert. Darin stand, dass sich die Generaldirektion
der SAS beehre, Mrs. und Mr. Spacek zu einem Menü einzuladen, und
zwar im Restaurant des Flughafens. So großzügig gingen die
Fluggesellschaften damals mit ihren Passagieren um. Auf dem Flug nach
Berlin hatte ich in Amsterdam von der KLM Gutscheine für das Hotel
und für die nötigen Taxifahrten bekommen. Heute ist alles
so simpel wie eine Reise mit Bahn oder Bus, und es geschieht nur noch
das Allernötigste.
In Bagdad hatte ich zuvor ein kleines Haus gemietet, auch ein Auto gekauft,
einen "Skoda". Rosel lebte sich schnell in die ungewohnten
Verhältnisse ein. Freilich wollte sie nicht einsehen, wie in einem
islamischen Land Frauen behandelt werden. Sie wollte protestieren, wenn
wir in ein typisch irakisches Restaurant gingen, und der Kellner uns
eine Treppe hoch bat, weil unten nur Männer sitzen durften. Nur
widerwillig akzeptierte sie mein Argument, das sei eine Revolution,
welche die Iraker schon selber machen müssten.
Auch
auf diplomatischen Empfängen wurde sie schnell souverän. Es
gab einen Empfang zu einem irakischen Jahrestag, zu dem auch ausländische
Delegationen eingeladen waren. Vietnam war durch seinen Botschafter
in der DDR vertreten. Weil er niemanden hatte und gut deutsch sprach,
schloss er sich uns an. Er war ein sehr witziger Mann. Bei dem Essen
im Freien waren große Tafeln in Hufeisenform ausgestellt. In die
Mitte ging niemand, dort stand Abdul Kerim Kassem. Der Botschafter lief
plaudernd mit Rosel durch die Menge, genau an diesen Tisch – und
war plötzlich verschwunden. Rosel stand nun mutterseelenallein
dem "großen Führer" gegenüber, der ziemlich
schüchtern wirkte, aber sich ein Lächeln abquälte. Sein
Leibwächter entspannte die Lage, indem er Rosel das Wohlschmeckendste
der arabischen Küche offerierte. Neben der täglichen Arbeit
ging auch der Kampf gegen die orientalische Bürokratie weiter.
Ich brauchte ein Telefon. Unsere Handelsvertretung sagte mir, wenn sie
eine Note ans Außenministerium schicken, was eigentlich der übliche
Weg wäre, dauere das mindestens ein Jahr oder länger.
Also
ging ich zum Chefingenieur der irakischen Post, den ich zufällig
auf einer Party kennen gelernt hatte. (Leute zu kennen, war das A und
O). Wir tranken Tee und schwätzten, während ein Angestellter
durchs Haus ging und die nötigen Unterschriften und Stempel holte.
Anders hätte das für mich einen Tag oder länger gedauert.
Da ich Ausländer sei, müsse dem aber noch das Verteidigungsministerium
zustimmen. Ich solle dort nach etwa vier Wochen nachfragen. Ich ging
zu einem Oberst der Nachrichtentruppen, der Sekretär der zuständigen
Kommission war. Der Mann saß hinter seinem Schreibtisch, hatte
offensichtlich nichts zu tun und freute sich über die Abwechslung.
Bei dem üblichen Tee stellte sich heraus, dass er ein großer
Brecht-Verehrer war. Er fand, dass ich ein sehr netter Mensch sei und
wollte diesen Eindruck auch seinem Chef, dem Vorsitzenden der Kommission,
vermitteln. Mit mir und meiner Akte ging er zu einem Brigadegeneral,
dem Chef der Nachrichtentruppen der irakischen Armee. Wieder mit einem
Glas Tee fand auch der mich sympathisch und versprach mir, dem Antrag
zuzustimmen. Ich solle nach drei Wochen wiederkommen. Dann erfuhr ich,
der Antrag sei durch. Die Beschlüsse der Kommission hätten
aber nur empfehlenden Charakter. Die endgültige Entscheidung treffe
der militärische Generalgouverneur. Dessen Adjutant, ein Hauptmann,
war auch von mir angetan, holte meine inzwischen recht dicke Akte aus
dem Stapel heraus und legte sie obenauf. Nach weiteren zwei Wochen war
die letzte Hürde genommen. Der Anschluss des Telefons dauerte dann
nur einen Tag.
Mein Kollege von der DDR-Nachrichtenagentur ADN hatte noch kein Telefon.
Da die Verbindungsmöglichkeiten zwischen Bagdad und Berlin damals
hundsmiserabel waren, wollte er ausprobieren, eine Nachricht von meinem
Telefon zum Londoner ADN-Büro durchzugeben, damit sie dann per
Telex nach Berlin weitergehen könne. Am folgenden Tage klingelte
das Telefon. Ein Major der militärischen Abwehr sagte, von meinem
Telefon sei eine Nachricht ins Ausland gegangen, die nicht der Zensur
vorgelegen habe. Das sei verboten. Wenn sich das wiederhole, werde mein
Telefon gesperrt und ich würde bestraft. Umgekehrt wurde ich selbst
an solchen Praktiken beteiligt. Da ich sozusagen eine irakische Staatsautorität
hinsichtlich der deutschen Sprache war, schickte man deutschsprechende
Iraker zu mir in den Rundfunk, die ich prüfen sollte, ob sie fähig
seien, ein deutsch geführtes Telefongespräch abzuhören.
Bei Russisch hatte man offenbar nicht genügend Kandidaten. Dem
TASSKorrespondenten wurde deshalb kurzerhand von abends um Sechs bis
morgens um Acht das Telefon abgeschaltet. |
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