Abstecher nach Kenia

 
 

Da ich in Sansibar recht billig gelebt und einiges Geld gespart hatte, schloss ich auf der Rückreise einen 14tägigen Aufenthalt in Kenia an. Kenia war etwa zur gleichen Zeit wie das damalige Tanganjika unabhängig geworden. Aber es war ein gravierender Unterschied. Während in Tanganjika schon vieles afrikanisiert war, waren in Kenia in den Behörden nur die Minister und die Reinigungskräfte Afrikaner. Überall dazwischen saßen Engländer. Als ich eine Fahrt beantragte, um die Landreform kennen zu lernen, war es ein englischer Beamter, der mich begleitete. Das Resultat war kläglich.

Das hatte zum Teil historische Wurzeln. Kenia war von Anfang an britische Kolonie gewesen, dagegen stand Tanganjika, das ehemalige Deutsch-Ostafrika, seit dem Ende des ersten Weltkriegs nur unter britischer Treuhandverwaltung. Die Engländer konnten bis zum zweiten Weltkrieg zumindest theoretisch nicht ausschließen, dass sie es zurückgeben müssten. Deshalb taten sie nur das Allernötigste, während sie sich in Kenia für dauernd einrichteten. Hinzu kam, dass sich im Hochland von Kenia mit seinem nicht so heißen paradiesischen Klima viele englische Großpflanzer niedergelassen hatten, die das ökonomische Rückgrat des Landes bildeten.

In Kenia konnte man aber auch gut beobachten, wie sich ein bürokratisches afrikanisches Kapital herausbildete. Die großen Unternehmen holten sich schon aus optischen Gründen auserwählte Afrikaner in die Aufsichtsräte. Politiker der regierenden KANU-Partei betrieben Grundstücksspekulationen. So bildete sich nach und nach eine afrikanische Oberschicht heraus, mit der man auch auf neokolonialistische Weise gut zu Rande kam.

In Kenia habe ich mir aber auch etwas Schönes geleistet. Es war ein Besuch in Treetops, einer aus Holz gebauten Nobelherberge, die in Baumgipfel eingebaut ist und die man nur über eine Leiter erreichen kann. Davor befindet sich ein See, dessen Ufer immer wieder mit Salz angereichert wird, damit das Wild zum Lecken angelockt wird. Schon tagsüber werden Scheinwerfer eingeschaltet, um die Tiere dann nachts nicht zu erschrecken. Und so kann man stundenlang beobachten, wie einem direkt zu Füssen alles aus dem afrikanischen Busch kommt: Zebras, Antilopen, wenn man Glück hat, auch Nashörner und vor allem Elefanten in großen Familien. Wir wurden Zeuge, wie ein frisch geborenes Elefantenbaby im Schlamm zu ersticken drohte. Die Mutter schob immer wieder den Rüssel darunter, doch vergebens. Andere Elefanten wollten helfen. Doch sie machten die Sache nur schlimmer, so dass die Mutter sie erst vertreiben musste. Schließlich hat sie es doch geschafft, aber es hat über zwei Stunden gedauert.

In Treetops hatte ich übrigens eine berühmte Vor-Bewohnerin. Dort hatte während einer Afrikareise auch Elizabeth II. logiert, als sie noch Prinzessin war. In Treetops erfuhr sie, dass ihr Vater gestorben war und sie nun Königin würde.

 
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