Nun für lange nach Afrika

Zurück nach Berlin, und dort wieder die übliche Alltagsarbeit. Im Frühjahr 1965 wurde ich zu meinem Vorsitzenden Gerhart Eisler gerufen. Er sagte mir, der Rundfunk habe jetzt die Mittel bewilligt bekommen, um ein weiteres Korrespondentenbüro einzurichten. Aus seiner Sicht seien Afrika und Indien gleichermaßen wichtig, es gehe aber nur eins. Da ich für den Einsatz vorgeschlagen sei, könne ich ja vielleicht als Zünglein an der Waage dienen. Ich sagte ihm, dass ich zwar noch nie in Indien war, aber schon viele Inder kennen gelernt habe und keinen rechten Draht zu ihnen finde. Da sagte er mit gespieltem Ernst, dass er als Vorsitzender des Staatlichen Rundfunkkomitees eine solche chauvinistische Haltung entschieden zurückweisen müsse, aber als Mensch könne er das verstehen. So einigten wir uns auf Ostafrika.

Nun ergab sich aber ein merkwürdiges Zwischenspiel. Als Einsatzort war zunächst Nairobi, die Hauptstadt Kenias vorgesehen, weil es damals so aussah, als würde sich das zum politisch und informatorisch bedeutendsten Zentrum Ostafrikas entwickeln. Hermann Axen, Mitglied des Politbüros und zu dieser Zeit auch Chefredakteur des "Neuen Deutschland", hatte aber die vernünftige Idee, stattdessen Tansanias Hauptstadt

Die DDR-Rundfunkzeitschrift „FF-dabei“ zu
 

Die DDR-Rundfunkzeitschrift „FF-dabei“ zu
meinem Afrika-Einsatz. Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum vollständigen Beitrag

 

Daressalam zu nehmen. Denn in Nairobi gab es bereits einen ADNKorrespondenten, während Daressalam, wo wir gerade ein Generalkonsulat eingerichtet hatten, journalistisch unbesetzt blieb.

Ich hätte dort gleichzeitig auch ADN und "Neues Deutschland" vertreten können. Nun war aber der Beschluss bereits durch. Und das hieß: Zustimmung durch das Sekretariat des Zentralkomitees. Wie mir Kollegen vom "Neuen Deutschland" sagten, wollte Axen mit Honecker, damals zweiter Mann nach Ulbricht, reden, ob der es auf seine Kappe nimmt, den Beschluss sozusagen auf kaltem Wege zu ändern. Sonst hätte alles von neuem beginnen müssen. Und das hätte wieder Monate gedauert. Honecker nahm es auf seine Kappe.

Ich fasste mich bei alledem an den Kopf. Hatte unsere oberste Parteiführung wirklich nichts Dringenderes zu tun, als den Einsatz eines Rundfunkkorrespondenten zu einer solchen Staatsaktion zu machen?

Im Sommer 1965 begab ich mich zunächst allein auf die Reise, um alles einzurichten und ein Quartier für die Familie zu suchen, die ich im Herbst nachholen wollte. Die Quartierfindung erwies sich als recht einfach. Unser Generalkonsulat hatte ein mir zusagendes Haus zur Verfügung, das für einen inzwischen wieder versetzten Diplomaten gemietet worden war. Das Haus lag, wie allgemein üblich, ziemlich weit vom Zentrum.

Als ich mir ein Auto mietete, stellte sich plötzlich heraus, dass ich die richtige Ausfallstraße nicht fand. Immer wieder landete ich beim Askari-Monument, einem Denkmal für einen afrikanischen Krieger aus dem ersten Weltkrieg. Fast eine Stunde bin ich herumgeirrt. Ich kannte ja nicht einmal den Namen meiner Straße.

Generalkonsul war Dr. Gottfried Lessing, ein sehr gestandener und weithin angesehener Afrikaexperte, der zuvor die Afrika-Abteilung im Außenministerium der DDR geleitet hatte. Seine Schwester war die Mutter des bekannten PDS-Politikers Gregor Gysi. Als Jude und Kommunist hatte er während der Nazi-Zeit in der britischen Kolonie Rhodesien Zuflucht gesucht, dem heutigen Simbabwe. Er war mit Doris Lessing verheiratet, die später zur bedeutendsten zeitgenössischen englischen Schriftstellerin wurde. Kurz nach dem Kriege ging die Ehe auseinander. Es war mehr eine ideologische Zweckehe gewesen. Doris Lessing war damals selbst noch Kommunistin, und sie wollte ihm vor allem auch das Aufenthaltsrecht in Rhodesien sichern.

Einige Jahre später fand Dr. Lessing leider ein sehr tragisches Ende. Er war DDR-Botschafter in Uganda. Als dort das Regime des Diktators Idi Amin gestürzt wurde, war auch in derHauptstadt Kampala die Lage durch marodierende Banden so unsicher, dass Diplomaten verschiedener Länder versuchen wollten, in einem Autokonvoi das benachbarte Kenia zu erreichen. Dr. Lessing mit Frau und ein weiteres DDR-Ehepaar erschienen nicht am vereinbarten Treffpunkt. Wie später ermittelt wurde, hatte ihr Auto einen Raketenvolltreffer erhalten.

  Zurück zur letzten Seite  
Zur nächsten Seite
Zur Startseite
Vorwort zum Geleit
Kindheit und Jugend
Journalistische Anfänge
Jahre im Irak
Zwischenstation
Jahre in Afrika
In Sansibar
Abstecher nach Kenia
Nun für lange nach Afrika
Stationen unterwegs
Mit der Familie in Daressalam
Nyereres Ujamaa-Sozialismus
Jahre in Afrika II
Jahre in Afrika III
Weiter unterwegs1
Weiter unterwegs 2
Weiter unterwegs 3
Persönliche Bilanz
Zeitungsbeiträge und andere Dokumentationen
Presseresonanz auf die Memoiren von Peter Spacek
 
Eine Mail an Peter Spacek senden
Zum Gästebuch
Zum Downloadbereich
Links und Informationen
Zum Impressum
 
 
 
 
 
 
  Reiseportal

Bequem buchen, Zeitersparnis und geschonte Nerven! Erleben Sie die Welt des Reisens! mehr
  Conrad Electronic

Lieferung in nur 2 Tagen - Deutschlands größte Technikauswahl aus 70.000 Produkten! mehr
  1&1 Internet.profi

Mehr als ein Internetzugang: Das Komplettpaket für Ihre komfortable
Kommunikations- und Organisationszentrale!mehr
  Vodafone

How are you? Lassen Sie sich verzaubern von der neuen Handy-Dimension bei Vodafone!
mehr
  T-Mobile-Handys

Handys, PDAs und alles, was Sie für das mobile Internetvergnügen brauchen zu topaktuellen Konditionen! mehr
  1&1 E-Shop

E- Shops für Anfänger und Profis - ab 19,- EUR / Monat! mehr
  0700-Rufnummer

Nur noch eine Rufnummer für alle Anschlüsse - persönlicher geht's nicht! mehr
  E-Plus-Handys

Günstiger mobil telefonieren: faire Tarife für jeden Geschmack. Soooo viel Handy für soooo wenig Geld! mehr
 
T-ISDN

T-ISDN: Anschluss, Komfortanlagen, Telefone und ISDN-Karten, alles supergünstig! mehr