Daressalam
zu nehmen. Denn in Nairobi gab es bereits einen ADNKorrespondenten,
während Daressalam, wo wir gerade ein Generalkonsulat eingerichtet
hatten, journalistisch unbesetzt blieb.
Ich
hätte dort gleichzeitig auch ADN und "Neues Deutschland"
vertreten können. Nun war aber der Beschluss bereits durch. Und
das hieß: Zustimmung durch das Sekretariat des Zentralkomitees.
Wie mir Kollegen vom "Neuen Deutschland" sagten, wollte Axen
mit Honecker, damals zweiter Mann nach Ulbricht, reden, ob der es auf
seine Kappe nimmt, den Beschluss sozusagen auf kaltem Wege zu ändern.
Sonst hätte alles von neuem beginnen müssen. Und das hätte
wieder Monate gedauert. Honecker nahm es auf seine Kappe.
Ich
fasste mich bei alledem an den Kopf. Hatte
unsere oberste Parteiführung wirklich nichts Dringenderes zu tun,
als den Einsatz eines Rundfunkkorrespondenten zu einer solchen Staatsaktion
zu machen?
Im
Sommer 1965 begab ich mich zunächst allein auf die Reise, um alles
einzurichten und ein Quartier für die Familie zu suchen, die ich
im Herbst nachholen wollte. Die Quartierfindung erwies sich als recht
einfach. Unser Generalkonsulat hatte ein mir zusagendes Haus zur Verfügung,
das für einen inzwischen wieder versetzten Diplomaten gemietet
worden war. Das Haus lag, wie allgemein üblich, ziemlich weit vom
Zentrum.
Als
ich mir ein Auto mietete, stellte sich plötzlich heraus, dass ich
die richtige Ausfallstraße nicht fand. Immer wieder landete ich
beim Askari-Monument, einem Denkmal für einen afrikanischen Krieger
aus dem ersten Weltkrieg. Fast eine Stunde bin ich herumgeirrt. Ich
kannte ja nicht einmal den Namen meiner Straße.
Generalkonsul
war Dr. Gottfried Lessing, ein sehr gestandener und weithin angesehener
Afrikaexperte, der zuvor die Afrika-Abteilung im Außenministerium
der DDR geleitet hatte. Seine Schwester war die Mutter des bekannten
PDS-Politikers Gregor Gysi. Als Jude und Kommunist hatte er während
der Nazi-Zeit in der britischen Kolonie Rhodesien Zuflucht gesucht,
dem heutigen Simbabwe. Er war mit Doris Lessing verheiratet, die später
zur bedeutendsten zeitgenössischen englischen Schriftstellerin
wurde. Kurz nach dem Kriege ging die Ehe auseinander. Es war mehr eine
ideologische Zweckehe gewesen. Doris Lessing war damals selbst noch
Kommunistin, und sie wollte ihm vor allem auch das Aufenthaltsrecht
in Rhodesien sichern.
Einige
Jahre später fand Dr. Lessing leider ein sehr tragisches Ende.
Er war DDR-Botschafter in Uganda. Als dort das Regime des Diktators
Idi Amin gestürzt wurde, war auch in derHauptstadt Kampala die
Lage durch marodierende Banden so unsicher, dass Diplomaten verschiedener
Länder versuchen wollten, in einem Autokonvoi das benachbarte Kenia
zu erreichen. Dr. Lessing mit Frau und ein weiteres DDR-Ehepaar erschienen
nicht am vereinbarten Treffpunkt. Wie später ermittelt wurde, hatte
ihr Auto einen Raketenvolltreffer erhalten. |