sie
freilich der heutigen Zeit anpassen. "Ujamaa" nannte er das,
das Suaheliwort für Familie, das aber auch einen Klang von Sozialismus
hat. Ein wesentliches Element bestand darin, die verstreut im Busch
lebenden Familien in "Ujamaa"-Dörfern zusammenzufassen,
weil sich nur so Schulen gründen und das Gesundheitswesen entwickeln
ließen. Dann wurden die ausländischen Banken verstaatlicht.
Um die Entwicklung einer einheimischen ürokratischen Kapitalistenklasse
zu verhindern, wurden Staatsbeamten und Funktionären der regierenden
TANU-Partei weiteinkommen verboten. Das betraf vor allem Mieteinnahmen.
Jeder durfte nur das Haus besitzen, in dem er wohnte. Leider lief nicht
alles so, wie es sich Nyerere erhofft hatte. Seine "Ujamaa"-
Konzeption stützte sich ausschließlich auf subjektive Moralvorstellungen.
Es gab nichts, was zu größerer Produktivität geführt
hätte, Bürokratie breitete sich aus. So blieb das rohstoffarme
Land in seiner Armut und musste schließlich, um wenigstens zu
einigen Krediten zu kommen, das Diktat des Internationalen Währungsfonds
schlucken.
Für
uns hatte die "Ujamaa"-Politik unmittelbare Auswirkungen.
Unser Hausbesitzer, ein Beamter im Außenministerium, hatte das
Haus mit einem günstigen Kredit gebaut. Es war dort üblich,
dass höheren Beamten ein solcher Kredit eingeräumt wurde.
Er blieb in seinen bescheideneren Verhältnissen wohnen, um mit
unserem Geld den Kredit zurückzuzahlen und sein Einkommen aufzubessern.
Nun musste er, wenn er das Haus nicht verkaufen wollte, selbst einziehen,
was er sehr ungern tat. Durch diese Konstellation ergab sich generell
die außergewöhnliche Sachlage, dass es schwer wurde, Häuser
zu mieten, aber sehr leicht, sie zu kaufen. Wir fanden schließlich
ein Haus, das viel größer und komfortabler war, mit einem
wunderschönen Garten, und nur die Miete von fünf Jahren kostete.
Ein ausgesprochenes Schnäppchen, würde man heute sagen. Entgegen
meinen Befürchtungen hatte der Rundfunk auch das Geld, das Geschäft
zu tätigen.
In
Daressalam lernte ich Miriam Makeba kennen, die "Stimme Afrikas",
wie man sie nannte. Sie war schon in Südafrika eine bekannte Sängerin
gewesen. Als man einen Film, in dem sie mitwirkte, in London propagieren
wollte, nutzte sie die Gelegenheit, dem Apartheid-Staat zu entfliehen.
Am Anfang kümmerte sich Harry Belafonte sehr um sie, trat gemeinsam
mit ihr auf. Dann begann sie ihren eigenen Weg als ein internationaler
Star. Mit ihren Liedern gegen die Apartheid rüttelte sie viele
auf. Sie besaß gut ein Dutzend Pässe, weil es sich jeder
afrikanische Staat zur Ehre anrechnete, sie als Staatsbürgerin
zu haben.
Nun
stand ich allerdings vor einem Problem. In der DDR kannte man diesen
Weltstar nicht. Das Interview, das ich mit ihr hatte, konnte ich zunächst
nur in der in Afrika vertriebenen Auslandsillustrierten der DDR verwenden,
nicht aber für unseren Rundfunk, da es für die Hörer
zu Hause keinen Anknüpfungspunkt gab. Für eine Chanson-Serie
im Abendprogramm von Radio DDR schrieb ich deshalb eine zweistündige
Sendung mit vielen ihrer Lieder. Sie hatte eine große Resonanz.
Unsere Techniker schnitten meine Schallplatten mit ihren Aufnahmen um,
die dann viel gesendet wurden. Ihr "Pata Pata" wurde zu einem
regelrechten Ohrwurm. Ein bisschen bin ich stolz darauf, dass ich es
war, der sie in der DDR so bekannt gemacht hat. Zu den Weltfestspielen
1973 kam sie nach Berlin und sang vor Tausenden. |