Up ewig ungedeeld

 
 

Da es nun mal zwei deutsche Staaten gab, wirkte sich das natürlich auch in Daressalam aus. Eines Tages kreuzte bei uns zu Hause der bekannte Moderator des BRD-Fernsehens Dagobert Lindau auf. Ziemlich unverblümt meinte er, ich könne es doch weiter bringen, wenn ich in die Bundesrepublik überwechsle. Ein Mitarbeiter des Auslandsrundfunks der BRD "Deutsche Welle" kam auch zu uns. Er wollte mich nicht abwerben, fragte aber allen Ernstes, ob ich nicht auch Beiträge für sie liefern könne. Schließlich kam der Kapitän eines westdeutschen Schiffes in unser Generalkonsulat. Er müsse neue Leute anheuern, sagte er. Auf den Irrtum aufmerksam gemacht, meinte er: "Ach ja, da hängt ja auch der Ulbricht". Er habe dem Taxifahrer gesagt, er wolle zur deutschen Botschaft. Häufig gab es auch falsch zugestellte Post. Sie wurde dann korrekt ausgetauscht.


Der zweite Mann an der westdeutschen Botschaft, Dr. Pagenstert, schrieb manchmal auf den Umschlag das alte Friesenwort: "Up ewig ungedeeld". Als in beiden Vertretungen zufällig die zweiten Leute als Geschäftsträger amtierten, kam es auf einem Empfang in der indonesischen Botschaft zu einer damals außergewöhnlichen Begegnung zwischen unserem Hans Fischer und Dr. Pagenstert. Ein etwas angetrunkener sowjetischer Diplomat hatte das arrangiert. Beide wollten das Gespräch gern fortsetzen, aber ohne den Angetrunkenen. Also fuhren Fischer und ich anschließend in das Haus Dr. Pagensterts. Er bat uns herein. Wir sollten aber bitte das Auto mit der DDR-Fahne etwas weiter weg stellen.

Um den privaten Charakter stärker herauszustreichen, schickte ich dann den Fahrer weg, damit er noch Rosel holt. Dr. Pagenstert war ein sehr angenehmer Mensch. Es blieb in dieser Zeit der gegenseitigen Abblockung schon ein sehr besonderes Ereignis. Am nächsten Tag bekam es dann Fischer mit der Angst zu tun. Bekäme er nun einen Orden oder würde er abgelöst? Vom Außenministerium kam nur die Antwort, er solle den Kontakt abbrechen, aber ich solle ihn fortsetzen. So luden wir dann den BRD-Geschäftsträger zu uns nach Hause ein. Es war wieder ein sehr angenehmer Abend. Als Gastgeschenk brachte er eine englische Übersetzung von Wilhelm Buschs "Max und Moritz" mit. Ich hätte nie geglaubt, dass sich die so eigenwilligen Verse genauso eigenwillig übersetzen lassen.

 
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