Auf Safari in die Wildparks

Durch Haussuche und Umzug war der Sommer vergangen. Wir wollten aber nicht aus dem sonnigen Afrika in das kalte oder nasse Berlin. Also verlebten wir ausnahmsweise unseren Urlaub im Lande. Jetzt konnten wir endlich mit der gesamten Familie die weltberühmten Nationalparks im Norden Tansanias in der Nähe des Kilimandscharo besuchen.

Einen Vorgeschmack auf afrikanisches Wild hatten wir schon hinter unserem ersten Haus in Daressalam erlebt. Dort gab es eine Herde von Affen, grüne Meerkatzen, die offenbar standorttreu sind und von der Bebauung eingeschlossen wurden. Wir gewöhnten sie mit Bananen an uns. Zunächst duldeten sie uns nur in der Ferne und holten ängstlich die hingeworfenen Früchte. Doch nach und nach wurden sie zutraulicher. Sie setzten sich zum Bananenessen gleich neben uns, in der Hoffnung, dass es noch eine gibt. Schließlich angelten sie sogar in Rosels Tasche, um nach Bananen zu suchen. Dabei erwiesen sie sich als ausgesprochene Rassisten. Zu uns waren sie zutraulich. Von Afrikanern, die sie wegen der Schäden im Garten verscheuchten, hielten sie sich fern und fletschten die Zähne. Als sie dann auch noch im nebenan gelegenen Kindergarten auf der Schaukel herumturnten, griff unsere Ärztin ein. Das war doch zu riskant für die Kinder.

Einen kleinen Zoo hatten wir selbst. Wir hatten einen Hund, den wir wie unseren früheren in Bagdad Lipsi nannten. Ein Kater war uns zugelaufen, weil ihn die Kinder mit Milch angefüttert hatten. Wir nannten ihn Mister Bomm, nach einer Geschichte im DDR-Kinderfunk. Beide vertrugen sich – mit wachsamer Koexistenz.

Eines Tages kam Rosel aus der Stadt mit einem Buschbaby, das sie einem Afrikaner abgekauft hatte. Buschbabys sind kleine Halbaffen, die so heißen, weil sie nachts mitunter wie ein Baby schreien. Rosel sagte stolz sie habe den Preis von 40 auf 30 Shilling herunter gehandelt. Ich fuhr dann los, um für 350 Shilling Maschendraht und Leisten für den Käfig zu kaufen.
Von einer Reise brachten wir ein Chamäleon mit. Es war erstaunlich, dass es nie

Rosel und unser Buschbaby
 
Rosel und unser Buschbaby (oben)
Uwe und Ulf mit einem Chamäleon(unten)
 
Uwe und Ulf mit einem Chamäleon
 
Mit Bananen hatten wir die Affen an uns gewöhnt.
  Mit Bananen hatten wir die Affen an uns gewöhnt. (oben)
Picknickpause auf Safari. (unten)
 
Picknickpause auf Safari.
 
 
In der Nähe des Kilimandscharo.
 

versuchte, zu entkommen. Ganz ruhig saß es auf der Hand oder kletterte auf dem Arm. Doch sobald man in die Nähe einer Fliege kam, schnellte die überlange Zunge heraus, und die Fliege war gefangen. Der Direktor des Erfurter Zoo deponierte im Sandkasten unserer Kinder nach einer Tansania- Reise zwei Schildkröten, die später auf ein DDR-Schiff verfrachtet wurden. Landsleute aus der DDR gaben uns ihre Meerschweinchen oder Kaninchen zur Pflege, wenn sie auf Urlaub fuhren – es war schon ziemlich viel los bei uns.

Als wir dann zu unserer Safari nach dem Norden aufbrachen, war unser erstes Ziel die Serengeti. Das ist eine riesige Steppe von der Größe der Schweiz, in der man weite Fahrten unternehmen muss, wenn man die Vielfalt des Tierlebens erleben will. Aber leider hat es damit nicht geklappt. Denn es hatte stark geregnet, und die Straße bergauf war ein solcher Modder, dass wir lieber umgekehrt sind, um keinen Unfall zu riskieren.

Doch die anderen Parks sind nicht weniger attraktiv. Sie haben sogar den Vorteil, dass dort alles viel komprimierter ist. Meine ausgesprochene Vorliebe gilt dem Lake Manyara Park. Er hat den großen Vorzug, dass man dort auf relativ kleinem Raum sämtliche Landschaftsformen Afrikas mit ihren spezifischen Tierarten vorfindet. Und dass dort, nur dort – niemand weiß warum – die Löwen sich daran gewöhnt haben, auf Bäumen zu sitzen oder zu liegen. Meistens sogar recht unbequem, wenn die Beine links und rechts der Äste herunterhängen.

In einem Wald stießen wir auf eine Pavianherde und hielten an, um ihr Familienleben zu studieren. Das war recht lustig, wenn der Nachwuchs schräg stehende Bäume zum Spielen als Rutschbahn nutzte. Doch ihnen schien unsere Neugierde nicht zu gefallen. Denn plötzlich wurden wir mit überreifen Granatäpfeln bombardiert, dass bald die Windschutzscheibe wie auch das übrige Auto von einer schmierigen Schicht überzogen waren.

In einem Nationalpark ist es ja genau umgekehrt wie im Zoo. Nicht die Tiere befinden sich hinter Gittern, sondern der Mensch – in seinem Auto, an dessen Ungefährlichkeit sich die Tiere längst gewöhnt haben. Durch Löwenfamilien sind wir regelrecht Slalom gefahren, ohne dass sie Notiz von uns nahmen.

Man soll aber nie das Auto verlassen. Einmal tat ich es doch. Ich wollte eine Giraffe filmen, die aber im Busch etwas verdeckt war. Plötzlich rief Rosel: "Die Giraffe!" Ich rief zurück: "Ja, ich will sie ja filmen". Aber Rosel wieder: "Die Giraffe!" Es gab eine zweite, die ich im Busch nicht gesehen hatte, und ihr stand ich schon fast unterm Bauch. So ein Hufschlag kann tödlich sein.

Wir hatten die Arbeitsteilung, dass Rosel fuhr, und ich mich auf das Filmen konzentrierte. Wir stießen auf einen einzelnen Elefanten, der ein herrliches Motiv abgab. Ich wollte noch etwas warten, bis er in eine noch günstigere Position kam. Doch plötzlich wendete er sich uns zu, stapfte mit den Füssen, Ohren vor und zurück, Rüssel rauf und runter. Rosel legte in ihrem Schreck den dritten Gang ein und würgte den Motor ab. Zum Glück. Denn mit uns war noch eine andere DDR-Familie, und der passierte das gleiche. Sonst hätten wir einen Auffahrunfall gehabt.

Ein Wildhüter, dem ich die Geschichte erzählte, konnte uns lachend beruhigen. Das sei nichts als Theaterdonner gewesen. Der Elefant wollte uns nur verscheuchen. Hätte er wirklich angreifen wollen, hätte er nicht dieses Theater gespielt, sondern sich ganz still verhalten, mit einem kaum merklichen Zittern seiner Haut. In einem anderen Wildpark, in Mikumi, übernachteten wir in einem großen Zelt. Zu unserer nicht ganz so freudigen Überraschung sahen wir früh gleich neben dem Zelteingang einen Elefantenhaufen, der abends noch nicht da gewesen war.

Das Erlebnis mit dem Elefanten lehrte uns, bei Begegnungen mit Einzelgängern doch etwas vorsichtiger zu sein. Wir fuhren ziemlich dicht an einer Herde von Büffeln vorbei, die ringförmig wie eine Wagenburg lagerten. Sie drehten nicht einmal den Kopf. Doch später kam uns auf unserem Weg ein einzelner Büffel entgegen. Als wir anhielten, blieb er auch stehen. Als wir weiter fuhren, kam er auch weiter auf uns zu. Nachdem sich das einige Male wiederholt hatte, fuhren wir doch lieber einen weiten Bogen. In den Ngorongoro-Krater, einen weiten Kessel auf einem erloschenen Vulkan, konnten wir mit unserem Auto nicht fahren, weil man für die steilen Hänge einen Wagen mit Vierrad-Antrieb brauchte. Also mieteten wir einen Landrover mit einem afrikanischen Fahrer. Es begann recht abenteuerlich. Plötzlich jagten uns wild bemalte Buschkrieger einen Schrecken ein, die mit Schild und Speer die Straße blockierten. Doch sie hatten nichts Böses im Sinn. Massai hätten sie überfallen und ihr Vieh geraubt, sagten sie. Sie bäten uns, einen von ihnen bis zur nächsten Polizeistation mitzunehmen.

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