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versuchte, zu entkommen. Ganz ruhig saß es auf der Hand oder kletterte
auf dem Arm. Doch sobald man in die Nähe einer Fliege kam, schnellte
die überlange Zunge heraus, und die Fliege war gefangen. Der Direktor
des Erfurter Zoo deponierte im Sandkasten unserer Kinder nach einer
Tansania- Reise zwei Schildkröten, die später auf ein DDR-Schiff
verfrachtet wurden. Landsleute aus der DDR gaben uns ihre Meerschweinchen
oder Kaninchen zur Pflege, wenn sie auf Urlaub fuhren – es war
schon ziemlich viel los bei uns.
Als
wir dann zu unserer Safari nach dem Norden aufbrachen, war unser erstes
Ziel die Serengeti. Das ist eine riesige Steppe von der Größe
der Schweiz, in der man weite Fahrten unternehmen muss, wenn man die
Vielfalt des Tierlebens erleben will. Aber leider hat es damit nicht
geklappt. Denn es hatte stark geregnet, und die Straße bergauf
war ein solcher Modder, dass wir lieber umgekehrt sind, um keinen Unfall
zu riskieren.
Doch
die anderen Parks sind nicht weniger attraktiv. Sie haben sogar den
Vorteil, dass dort alles viel komprimierter ist. Meine ausgesprochene
Vorliebe gilt dem Lake Manyara Park. Er hat den großen Vorzug,
dass man dort auf relativ kleinem Raum sämtliche Landschaftsformen
Afrikas mit ihren spezifischen Tierarten vorfindet. Und dass dort, nur
dort – niemand weiß warum – die Löwen sich daran
gewöhnt haben, auf Bäumen zu sitzen oder zu liegen. Meistens
sogar recht unbequem, wenn die Beine links und rechts der Äste
herunterhängen.
In einem
Wald stießen wir auf eine Pavianherde und hielten an, um ihr Familienleben
zu studieren. Das war recht lustig, wenn der Nachwuchs schräg stehende
Bäume zum Spielen als Rutschbahn nutzte. Doch ihnen schien unsere
Neugierde nicht zu gefallen. Denn plötzlich wurden wir mit überreifen
Granatäpfeln bombardiert, dass bald die Windschutzscheibe wie auch
das übrige Auto von einer schmierigen Schicht überzogen waren.
In
einem Nationalpark ist es ja genau umgekehrt wie im Zoo. Nicht die Tiere
befinden sich hinter Gittern, sondern der Mensch – in seinem Auto,
an dessen Ungefährlichkeit sich die Tiere längst gewöhnt
haben. Durch Löwenfamilien sind wir regelrecht Slalom gefahren,
ohne dass sie Notiz von uns nahmen.
Man
soll aber nie das Auto verlassen. Einmal tat ich es doch. Ich wollte
eine Giraffe filmen, die aber im Busch etwas verdeckt war. Plötzlich
rief Rosel: "Die Giraffe!" Ich rief zurück: "Ja,
ich will sie ja filmen". Aber Rosel wieder: "Die Giraffe!"
Es
gab eine zweite, die ich im Busch nicht gesehen hatte, und ihr stand
ich schon fast unterm Bauch. So ein Hufschlag kann tödlich sein.
Wir
hatten die Arbeitsteilung, dass Rosel fuhr, und ich mich auf das Filmen
konzentrierte. Wir stießen auf einen einzelnen Elefanten, der
ein herrliches Motiv abgab. Ich wollte noch etwas warten, bis er in
eine noch günstigere Position kam. Doch plötzlich wendete
er sich uns zu, stapfte mit den Füssen, Ohren vor und zurück,
Rüssel rauf und runter. Rosel legte in ihrem Schreck den dritten
Gang ein und würgte den Motor ab. Zum Glück. Denn mit uns
war noch eine andere DDR-Familie, und der passierte das gleiche. Sonst
hätten wir einen Auffahrunfall gehabt.
Ein
Wildhüter, dem ich die Geschichte erzählte, konnte uns lachend
beruhigen. Das sei nichts als Theaterdonner gewesen. Der Elefant wollte
uns nur verscheuchen. Hätte er wirklich angreifen wollen, hätte
er nicht dieses Theater gespielt, sondern sich ganz still verhalten,
mit einem kaum merklichen Zittern seiner Haut. In einem anderen Wildpark,
in Mikumi, übernachteten wir in einem großen Zelt. Zu unserer
nicht ganz so freudigen Überraschung sahen wir früh gleich
neben dem Zelteingang einen Elefantenhaufen, der abends noch nicht da
gewesen war.
Das
Erlebnis mit dem Elefanten lehrte uns, bei Begegnungen mit Einzelgängern
doch etwas vorsichtiger zu sein. Wir fuhren ziemlich dicht an einer
Herde von Büffeln vorbei, die ringförmig wie eine Wagenburg
lagerten. Sie drehten nicht einmal den Kopf. Doch später kam uns
auf unserem Weg ein einzelner Büffel entgegen. Als wir anhielten,
blieb er auch stehen. Als wir weiter fuhren, kam er auch weiter auf
uns zu. Nachdem sich das einige Male wiederholt hatte, fuhren wir doch
lieber einen weiten Bogen. In den Ngorongoro-Krater, einen weiten Kessel
auf einem erloschenen Vulkan,
konnten wir mit unserem Auto nicht fahren, weil man für die steilen
Hänge einen Wagen mit Vierrad-Antrieb brauchte. Also mieteten wir
einen Landrover mit einem afrikanischen Fahrer. Es begann recht abenteuerlich.
Plötzlich jagten uns wild bemalte Buschkrieger einen Schrecken
ein, die mit Schild und Speer die Straße blockierten. Doch sie
hatten nichts Böses im Sinn. Massai hätten sie überfallen
und ihr Vieh geraubt, sagten sie. Sie bäten uns, einen von ihnen
bis zur nächsten Polizeistation mitzunehmen. |