Bei deutschen Farmern

 
 

Unser Fahrer hatte bald bemerkt, dass wir Deutsche sind. Er machte uns auf eine deutsche Kirche aufmerksam und auf anderes, was deutsch gewesen sei. In der Nähe sei auch eine deutsche Farm, und er würde uns gern hinfahren. Das wollte ich nicht. In meiner Vorstellung verband sich das in der ehemaligen deutschen Kolonie mit Nazis, und ich sagte ihm, dass wir im Ngorongoro-Krater das Wild sehen wollten. Auf dem Rückweg landeten wir aber ahnungslos plötzlich auf dieser Farm. Die Farmerfrau quittierte unsere Entschuldigung mit der Bemerkung, der Fahrer habe früher bei ihnen gearbeitet, und sie hätten ihn gebeten, Deutsche, die er fährt, bei ihnen vorbei zu bringen. Es war eine sehr angenehme Überraschung. Eine äußerst kultivierte Atmosphäre im Haus, viele gute Bücher in den Regalen. Ich robbte mich schließlich auf mein Vorurteil zu und fragte, wie sie über den Krieg gekommen seien. Ob sie von den Engländern interniert waren? Die erstaunliche Antwort: Die anderen Deutschen ja, sie aber nicht, weil sie als Anti-Nazis bekannt waren. "Wäre es anders gekommen, hätten uns unsere eigenen Landsleute gelyncht."

Die Frau war nach dem Krieg mal in der Bundesrepublik gewesen, um Verwandte zu besuchen. Nach Jahrzehnten in Afrika hätte sie sich aber so unwohl gefühlt, dass sie bald wieder zurück gefahren sei. Dass es eine BRD und eine DDR gibt, hätten sie gehört, aber das interessiere sie nicht. Ihr einziger Sohn war bei einem Unfall ums Leben gekommen, und sie hätten jetzt nur noch den Wunsch, auf ihrer Farm in Frieden sterben zu können.

In Moshi, einer kleinen Stadt im Norden Tansanias, konnten wir von unserem Hotel aus wunderbar den Gipfel des Kilimandscharo sehen. Dabei hatten wir großes Glück, denn meistens ist er von Wolken verhangen. Der Wirt des Hotels sagte uns, ein amerikanisches Ehepaar sei nur wegen dieses Blicks gekommen, wäre aber nach 14 Tagen erfolglos wieder abgereist.

Den Gipfel zu besteigen, ist eigentlich kein bergsteigerisches Abenteuer. Man muss nicht klettern, nur laufen. Aber die extrem dünne Luft in fast 6000 Metern Höhe macht dann jeden Schritt zur Qual. Wahrscheinlich hätte ich das mit meinen Atemproblemen nicht geschafft. Außerdem hätte das einige Tage in Anspruch genommen, die ich nicht zur Verfügung hatte. So sind wir nur mit dem Auto so weit in die Höhe gefahren, wie es ging. Und schon dabei spürte ich, dass der Motor nicht mehr so richtig zog. Wahrscheinlich hätte man dort den Vergaser anders einstellen müssen.

Ich habe irgendwo gelesen, weiß aber nicht, ob es stimmt: Die britische Queen Victoria habe seinerzeit den Kilimandscharo ihrem Enkel Kaiser Wilhelm II. zum Geburtstag geschenkt. Die Grenze zwischen Tansania, dem früheren Deutsch-Ostafrika, und Kenia, dem früheren Britisch-Ostafrika, ist wie mit dem Lineal gezogen – so, wie das die Kolonialeroberer auch an anderen Stellen in Afrika getan hatten. Damit wurde brutal auseinandergerissen, was eigentlich zusammen gehört. So leben zum Beispiel die Massai zum Tei in Tansania, zum Teil in Kenia. Diese Lineal-Grenze müsste eigentlich mitten durch den Kilimandscharo gehen. Aber sie macht dann zugunsten Tansanias einen Bogen.

 
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