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Portugal
war wirtschaftlich viel zu schwach, um auf neokolonialistische Weise
weiter herrschen zu können, deshalb klammerte es sich in Angola,
Mocambique und Guinea-Bissau weiter an den klassischen Kolonialismus.
Im heutigen Simbabwe herrschte das südrhodesische Rassisten-Regime,
und Südafrika wie auch Namibia standen unter der Apartheid. Der
später so gefeierte Nelson Mandela war als "Terrorist",
als Strafgefangener auf der Insel Robben Island eingekerkert.
Tansania
war sozusagen der Vorposten des unabhängigen Afrika. Von der Organisation
für Afrikanische Einheit hatte hier das Befreiungskomitee seinen
Sitz, das die solidarische Hilfe der unabhängigen afrikanischen
Staaten bündelte. In Daressalam unterhielten auch die meisten Befreiungsbewegungen
ihre Hauptquartiere oder Verbindungsbüros. So die FRELIMO von Mocambique,
der südafrikanische ANC und die namibische SWAPO, ZAPU und ZANU
von Simbabwe. Dr. Neto, der Präsident der angolanischen MPLA, wohnte
hier, wenn er nicht im Kampfgebiet war. Jinga, die Tochter seiner Schwester,
die deutsch sprach, weil sie in Wien aufgewachsen war, besuchte mit
unseren Söhnen die DDR-Schule.
Die
Vertreter der Befreiungsbewegungen, die man im Westen als "Terroristen"
verschrie (das änderte sich natürlich, als sie später
Staatspräsidenten oder Minister waren), lebten im Exil unter ziemlich
ärmlichen Verhältnissen. Wenn ich sie auf diplomatischen Empfängen
traf, hatte ich den Eindruck, dass sie froh waren, wieder einmal die
Abendbrotfrage gelöst zu haben. Der SWAPOChef und spätere
Staatspräsident Namibias, Sam Nujoma, "borgte" sich bei
mir 20 Shillinge.
Für
meine Berichte über den Befreiungskampf nutzte ich die Bulletins
der Bewegungen und Gespräche mit den Kämpfern, die gerade
von der Front gekommen waren. Das hatte in der DDR eine sehr starke
Resonanz, weil dort das solidarische Empfinden mit dem kämpfenden
Afrika sehr ausgeprägt war. (Ganz anders als heute im marktwirtschaftlichen
Deutschland, in dem Afrika fast vergessen zu sein scheint.)
Besser
als Berichte aus zweiter Hand wäre natürlich das eigene Erleben
gewesen. Aber das war nicht so einfach. Für Mocambique scheiterte
das zunächst am 2. Vizepräsidenten Tansanias, Rashidi Kawawe,
der für die Verbindung zu den Befreiungsbewegungen zuständig
war und einen Ruf als fanatischer schwarzer Rassist hatte. Kurz zuvor
war ein Hauptmann der portugiesischen Luftwaffe mit seiner Maschine
nach Tansania geflogen, um sich der FRELIMO anzuschließen. Das
war eine aufsehenerregende Demonstration. Doch als Weißer wurde
er kurzerhand aus Tansania ausgewiesen. Kawawe weigerte sich auch, einen
"Weißen" über die Grenze zu lassen.
Dr.
Neto, der spätere erste Präsident Angolas, bot mir dann an,
über Sambia nach Angola zu kommen. Wenn ich mir einen umfassenden
Überblick verschaffen wolle, müsse ich mindestens drei Monate
veranschlagen, sagte er. Doch das zerschlug sich, weil bald darauf Sambia
wegen eines Zwischenfalls seine Genehmigung zurückzog, Gäste
der MPLA über die Grenze zu lassen. Es hatte eine Vereinbarung
gegeben, dass sich Kämpfer der MPLA nur unbewaffnet in Sambia aufhalten
dürfen. Doch eine Grenzpatrouille der Armee stieß auf eine
bewaffnete Gruppe, die mit einem kanadischen Gast aus Angola kam.
Ausgelöst
durch ein entsetzliches Ereignis änderte sich dann die Sachlage
für Mocambique. Im
Februar 1970 war der Präsident der FRELIMO, Dr. Eduardo Mondlane,
einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In dem dreiköpfigen Führungsgremium,
das dann an die Spitze trat, kam es zu schweren Auseinandersetzungen,
weil einer versuchte, die Macht an sich zu reißen. Tansanias Präsident
Nyerere versuchte zunächst einen Ausgleich, was aber misslang.
Dann tat er das einzig Vernünftige und schlug sich voll auf die
Seite des Armeechefs Samora Machel und des zweiten FRELIMO-Mannes Marcelino
dos Santos. Diese hatten nun endlich nach langer Zeit die Möglichkeit,
direkt mit Nyerere alle angehäuften Probleme zu klären. Dazu
gehörte auch, dass nun die FRELIMO ungehindert jeden Gast über
die Grenze nehmen konnte.
Nun
begannen die Vorbereitungen. Auf Wunsch der FRELIMO musste alles geheim
bleiben. Die einzigen, die ich ins Bild setzte, waren unser Generalkonsul
und die Ärztin der NUTA-Klinik, die mir ein Medikamentenkästchen
zusammenstellte, für den Notfall auch eine Spritze mit Antibiotika.
Als ich Lebensmittel einkaufte – größere Mengen an
Tütensuppen und auch Säuglingsnahrung – stieß
ich prompt auf erstaunte DDR-Leute, denen ich sagte, ich hätte
einen größeren Trip durch Tansania vor. Das wichtigste war,
Fußmarsch zu trainieren. Ich ließ also das Auto stehen und
ging alles im Sturmschritt zu Fuß. Prompt hielten Autos von Bekannten.
"Ist Dein Auto kaputt? Sollen wir Dich mitnehmen?" Leider
stellte sich dann heraus, dass ich viel zu wenig trainiert hatte. Vor
allem hätte ich mit Schuhen und Strümpfen durchs Wasser gehen
und mir die Blasen schon in Daressalam holen müssen. |