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Mit
der FRELIMO im Busch
Endlich
war es dann so weit. Von der Grenzstadt Mtwara brachte uns die tansanische
Bereitschaftspolizei ins Landesinnere zum Punkt des Grenzübergangs.
Mein Truppführer Joaquim Chissano, heute der Staatspräsident
Mocambiques, schärfte mir ein, ja nicht zu fotografieren, weil
das militärisches Sperrgebiet sei. Als wir dann auf Einbäumen
den Grenzfluss Ruvuma überquerten, sagte er plötzlich in der
Flussmitte: "Jetzt kannst Du fotografieren, so viel Du willst,
jetzt sind wir in Mocambique".
Der
Ruvuma war etwa so breit wie die Elbe. Die Regenzeit war gerade vorüber,
so dass noch weite Flächen daneben überflutet waren. Schon
im Boot zog ich Schuhe und Strümpfe aus, um nicht mit nassen Schuhen
weiterlaufen zu müssen. Das war offenbar nicht im Sinn meiner Gefährten.
Sie wollten mir das austreiben. Denn als ich mich dann hinsetzte, um
Schuhe und Strümpfe wieder anzuziehen, waren sie schon außer
Blickweite, und ich stand nun mutterseelenallein in Mocambique. Erst
nach einem Gewaltmarsch hatte ich sie wieder eingeholt.
Ich
hatte absolut keine Ahnung, was mich nun erwarten würde. Würden
wir uns tagsüber verstecken und nur in der Nacht laufen?
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Wie befreit waren die "befreiten Gebiete" wirklich? Sogar
im Befreiungskomitee der OAU kursierte die Meinung, die Berichte der
FRELIMO seien stark übertrieben. In Wirklichkeit würden nur
einzelne Leute nachts über die Grenze gehen, dort ein bisschen
herumballern und im Morgengrauen zurückkehren. Offenkundig hatte
sich die FRELIMO das komplizierte Unterfangen mit mir aufgeladen, weil
sie dem Ausland gegenüber unabhängige Zeugen brauchte.
Endlich
hatten wir nach etwa 40 Kilometern unser Tagesziel erreicht. Es war
ein FRELIMO-Stützpunkt, der zu allem Überfluss oben auf dem
Berge lag. Aus taktischen Gründen gegen mögliche Angriffe
unterhielt die FRELIMO ihre Stützpunkte immer auf erhöhten
Positionen. Aber offenbar machte sich bei dem anstrengenden Marsch schon
mein späteres Asthma bemerkbar, und das besonders, wenn es bergauf
ging. Als wir ankamen, stand eine Hundertschaft bereit. Ich hätte
mich am liebsten lang hingeworfen. Aber Chissano hielt eine Rede, sprach
von der Solidarität der DDR, darüber, dass auch mein Besuch
ein Zeichen dieser Solidarität sei. Da
musste ich doch eine halbwegs passable Figur abgeben. Nicht weit von
mir stand ein Baum. Millimeterweise habe ich mich während der Rede
darauf zu bewegt, damit ich mich wenigstens anlehnen konnte. Es hat
dann über eine Stunde gedauert, ehe ich wieder normal atmen konnte.
So ein Guerilla-Leben wirkt sich überraschend auf die gesamte Lebenshaltung
aus. Was einem sonst als normal und selbstverständlich erscheint,
wird plötzlich völlig nebensächlich. Wenn man bis zur
völligen Erschöpfung gelaufen und am Ende seiner Kräfte
ist, sich dann endlich irgendwo hinlegen kann, selbst wenn es neben
einem Ameisenhaufen ist, und womöglich noch einen Tee bekommt –
mehr braucht man dann nicht zur absoluten Glückseligkeit.
Ob
man es nicht wenigstens am ersten Tage etwas leichter für mich
machen konnte, fragte ich Chissano. Absichtlich nicht, war die Antwort.
Hätte ich nicht durchgehalten, wäre es noch relativ einfach
gewesen, mich wieder über die Grenze zurück zu bringen. Später
dann, im Landesinneren, wäre das ein viel größeres Problem
geworden. Doch man gewöhnt sich an alles. Um den Schluss vorwegzunehmen:
Am letzten Tag, auf dem Rückweg, sind wir über 80 Kilometer
gelaufen, von früh um sechs bis abends um neun. Und es hat mich
viel weniger angestrengt.
Natürlich
gab es in den befreiten Gebieten noch portugiesische Stützpunkte.
Von einem sahen wir nachts den Lichterschein. Sie wurden aus der Luft
versorgt. Ein Angriff auf sie sei nicht sinnvoll, wurde mir erklärt.
Denn dann müssten viele Kämpfer zusammengezogen werden, die
anderswo fehlen. Außerdem ließen sie sich nicht halten,
weil sie leichte Bombenziele wären. Man halte sich an eine afrikanische
Weisheit: Wenn man eine Shlange töten will, greift man nicht in
ihr Loch, sondern gießt Wasser hinein und schlägt ihr den
Kopf ab, wenn sie herauskommt.
Die
FRELIMO-Kämpfer waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen.
Als Uniformen dienten alle möglichen Textilien. Viele liefen barfuss.
Doch verblüffend war die Disziplin. Wenn jemand an unseren aus
Ästen zusammengenagelten Kommandeurstisch herantrat, stand er zunächst
stramm und salutierte. Ich wurde von den Kämpfern wie ein Kommandeur
behandelt. Wenn ich durch den Stützpunkt ging und an einem Posten
vorbei kam, salutierte er mit seiner Maschinenpistole. Da ich als professioneller
Zivilist nicht einmal wusste, wie man darauf reagieren muss, habe ich
später lieber einen Bogen gemacht. Unter den Kämpfern befanden
sich auch Frauen, die ihre weiblichen Reize aber dadurch nicht verloren.
Mir gefiel es, wenn sie im Stützpunkt ihre Gewehre an den Baum
lehnten und sich gegenseitig ihre aparten Antennenfrisuren flochten.
Die
Stützpunkte waren weitläufig angelegt. Als Unterkunft dienten
Hütten aus Knüppelholz und Ästen. In der Mitte waren
Kommandeurstische. Es gab auch eine Duschkabine, die aus Ästen
zusammengefügt war, mit Wassereimern und Schöpfkelle. Dazwischen
sauber angelegte Wege, am Rande mit Ananaspflanzen begrenzt. Das alles
befand sich unter dem dichten Laub von Bäumen, zum Teil waren es
wilde Kaschunußbäume, so dass von oben durch Flugzeuge nichts
einsehbar war.
In
dieser Region wurde Trockenreis angebaut. Deshalb bildete Reis auch
den Hauptteil unserer Ernährung. Als Anreicherung wurde eine Soße
aus Tütensuppen darüber gekippt, sehr selten war es ein winziges
Stück Huhn. Als Gemüse diente eine Art Spinat aus den Blättern
von Maniokpflanzen. Gelegentlich gab es auch gekochte Erdnüsse.
Weil ich wusste, dass meine Ernährung etwas einseitig sein würde,
hatte ich mir einige hart gekochte Eier mitgenommen, die für die
erste Zeit vorhielten.
Da
dies ein Krieg zu Fuß war, konnte die FRELIMO nur Waffen verwenden,
die sich tragen ließen, größere zerlegt. Fahrräder
als Transportmittel wie im Krieg in Vietnam ließen sich wegen
der holprigen Buschpfade nicht nehmen.
.Überlegungen
mit mongolischen Pferden zerschlugen sich, weil die Tiere nicht leise
genug sind. In Nachingwea in Tansania unterhielt die FRELIMO ein militärisches
Ausbildungslager, in dem es auch chinesische Instrukteure gab. Die Waffen
stammten zum Teil aus der Sowjetunion und aus China, zu meiner Überraschung
aber auch aus der DDR. FRELIMO-Kämpfer erklärten mir, wie
man den Unterschied zwischen sowjetischen und chinesischen Kalaschnikows
und solchen aus der DDR erkennt. Wenn ich mich richtig erinnere, hatten
die aus der DDR einen Schaft aus Plaste.
Sehr
beträchtlich war der Anteil von Beutewaffen von der portugiesischen
Armee. Chissano ließ eine Einheit antreten, die ihre Waffen ablegen
musste, damit ich das richtig inspizieren konnte. Es waren einige französische
Mörser und englische Granatwerfer. Zum größten Teil
waren es jedoch westdeutsche Schnellfeuergewehre vom Typ G 3, die unter
Lizenz in Portugal hergestellt wurden. |
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