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Zunächst
behalf man sich mit angekohlten und glatt geriebenen Brettern als Schiefertafeln
und getrockneten Maniokwurzeln als Kreide. Später lieferte die
DDR Schulhefte und Bleistifte. Ein DDR-Lehrer hatte auf Portugiesisch
ein Lehrbuch für Mathematik verfasst, das in der DDR gedruckt wurde.
Außer in den befreiten Gebieten Mocambiques wurde es auch in Angola
und in Guinea- Bissau verwendet. Das war allerdings erst später.
Mich
begeisterten immer wieder die zündenden Lieder der FRELIMO. Ich
habe eine ganze Sammlung davon, die ich dort mit dem Kassettenrecorder
aufgenommen habe. Die Bewohner Mocambiques sind ohnehin ein sangesfreudiges
Volk. Aber im Befreiungskampf spielt das Lied eine besondere Rolle.
Wenn es ein besonderes Ereignis gibt, ist auch sofort ein neues Lied
zur Stelle. Oft kommentiert ein FRELIMO-Kommandeur als Vorsänger
die Geschehnisse, und die anderen bekräftigen das mit ihrem "Wayaka
moto, wayaka" (Das Feuer brennt). Sowjetische Journalisten, die
lange nach mir in der Provinz Tete waren, brachten von dort mit, es
würde auch ein faschistisches Lied gesungen. Das nahm die FRELIMO
natürlich sehr ernst. Aber es stellte sich heraus, dass es sich
um "Ich hatt’ einen Kameraden" handelte, was ja kein
faschistisches Lied ist. Auch Ernst Busch hat es verwendet, um den im
spanischen Bürgerkrieg gefallenen Hans Beimler zu würdigen.
In Mocambique wurde es mit anderem Text in einer Missionsstation gesungen,
und die FRELIMO hatte die Melodie übernommen. Als Unterkunft diente
mir in den einzelnen Stützpunkten eine Hütte aus Knüppelholz
und Schilf, die ich mit meinem Truppführer Joaquim Chissano teilte.
Eines Nachmittags, als ich mich etwas ausruhen wollte, hörte ich
plötzlich draußen einen riesigen Lärm. Als ich heraus
trat, stürzte ein FRELIMOKämpfer auf mich zu, griff mich am
Arm und schleuderte mich weit weg. In dem Baum genau über der Hütte
ringelte sich eine grüne Mamba, eine der gefährlichsten Schlangen
in Afrika. Die ansonsten so tapferen Krieger zeigten allergrößten
Respekt. Mit Knüppeln trieben sie die Schlange schließlich
zu Boden, wo sie ihr den Garaus machten.
Eines
Nachts wurde ich wach, weil sich auf meinem Schlafsack etwas bewegte.
Wieder eine Schlange, fürchtete ich. Ich blieb zunächst völlig
unbeweglich und überlegte krampfhaft, was ich tun könne. Da
man die Gefahr überraschender portugiesischer Angriffe nicht völlig
ausschließen konnte, musste ich meinen gepackten Rucksack neben
dem Bettgestell haben mit der Taschenlampe obenauf. Millimeter um Millimeter
bewegte ich nun meinen Arm zur Taschenlampe und atmete dann erleichtert
auf. Es waren Ratten, die sich auf meinem Schlafsack und in dem Knüppelholz
über mir tummelten, mindestens ein Dutzend. Ich hätte nie
geglaubt, dass man über eine Ratteninvasion so glücklich sein
kann.
In
einem der Stützpunkte traf ich den Vertreter der FRELIMO bei den
Vereinten Nationen, der sich auf dem Rückweg nach Tansania befand.
Die FRELIMO hatte die Praxis, ihre Vertreter im Ausland und andere,
die mit dem Kampf nichts unmittelbar zu hatten, gelegentlich nach Mocambique
zu holen, damit sie mit den Realitäten verbunden blieben. Ich bat
ihn, Rosel anzurufen und ihr zu sagen, dass es mir gut gehe, was er
auch tat. So hatte sie zwischendurch wenigstens einen Gruß von
mir.
Im
Hauptstützpunkt der FRELIMO für die Provinz Cabo Delgado (auch
er war einige Wochen später vorübergehend den Portugiesen
in die Hände gefallen), ging ein großer Wunsch von mir in
Erfüllung. Ich traf Samora Machel, den Armeechef, der kurze Zeit
später als Nachfolger Dr. Mondlanes zum Präsidenten der FRELIMO
gewählt wurde. Da er sich fast immer nur im Kampfgebiet aufhielt,
kannte ihn außerhalb kaum jemand. Ich habe kaum jemanden von so
großer Ausstrahlungskraft getroffen. Ohne dass er sich in Szene
setzte, stand er immer im Mittelpunkt. Weil es außerhalb Mocambiques
nur Legenden über ihn gab, führte ich ein langes Interview
mit ihm, auch über seinen Lebensweg, um ihn bekannter zu machen.
Wie er mir später während eines DDR-Besuchs erzählte,
war es das erste Interview, das je ein Journalist mit ihm führte.
Ich
habe ihn später häufig wieder getroffen – in der DDR
und in Mocambique. Als Erich Honecker zum Staatsbesuch in Mocambique
war, sagte Machel zum Beginn des Gesprächs, wie weit die Beziehungen
zurückreichen und zeigte auf die am Rande stehenden Journalisten:
"Schau, Genosse Honecker. Dort steht Spacek. Der war schon 1970
bei uns im bewaffneten Kampf. So weit gehen unsere guten Beziehungen
zurück." Etwas irritiert erkundigte sich Honecker bei dem
neben ihm sitzenden Hermann Axen, wer denn dieser Mensch sei.
Als
ich zum Rundfunk zum Überspiel ging, sagte mir der Chefingenieur,
er habe das auf Tonband und wolle für mich einen Umschnitt anfertigen.
Doch beim nächsten Überspiel informierte er mich, die Sicherheit
sei da gewesen und habe die Passage herausgeschnitten.
Einige
Jahre später kam dann Samora Machel bei einem Flugzeugabsturz ums
Leben. Er kam von einem Staatsbesuch in Sambia. Es gab den Verdacht,
der südafrikanische Geheimdienst habe in unmittelbarer Nähe
der Grenze zu Mocambique ein falsches Funkfeuer für die Landung
gesetzt. Eine offizielle Klärung gab es aber nie. Machels Nachfolger
wurde mein alter Buschkumpel Joaquim Chissano. |
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