Der verschwundene Pass

Im Jahre 1970 konnte die DDR endlich ihre diplomatische Isolierung durchbrechen. In dichter Reihenfolge nahm ein Land nach dem anderen diplomatische Beziehungen auf. Vor den westlichen NATO-Ländern waren das zunächst die nichtpaktgebundenen Staaten, und das besonders in Afrika. Verständlich, dass dieser Prozess auch lebhafte journalistische Aktivitäten auslöste.

Aus Berlin erreichte mich der Auftrag, in den jüngsten dieser Partner, die Zentralafrikanische Republik zu fahren und von dort zu berichten.

 
 
Mit diesem "Pass" wäre ich um die halbe Welt gekommen. (Zur Großansicht mit einem Klick auf das Bild, der Bildaufbau kann einige Zeit dauern)
 
 

Als ich in meinem eigentlich recht umfangreichen Archiv nachschaute,was mich dort wohl erwarten würde, stieß ich auf das absolute Nichts. In dem Land gab es nichts Interessantes. Ein Beitrag in der Moskauer "Neuen Zeit" beschränkte sich im Wesentlichen auf Begegnungen in der Hotelhalle. Mir war klar, mein Beitrag würde aus gähnender Leere bestehen. Weil ich mir aber ausrechnen konnte, dass ich damit in Berlin kaum Verständnis finden würde, suchte ich mir unsere NUTA-Ärztin als Verbündete. Sie stellte fest, dass ich nach der Mocambique-Strapaze und mit einer chronischen Bronchitis eine solche Reise besser nicht antreten sollte. Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich so etwas getan habe.

Interessanter war dann schon die Republik Kongo (Brazzaville), die diplomatische Beziehungen auf Gesandtschaftsebene aufnahm. Weil es keine Botschaft in Daressalam gab und ich auch sonst kein Visum besorgen konnte, telegrafierte ich dem Informationsminister und bat um Hilfe bei der Einreise. Es kam schlimm. Der Passbeamte wusste nichts davon und sagte, ohne Visum müsse ich am nächsten Morgen mit dem gleichen Flugzeug zurückfliegen. Da sei allerdings auch sein Chef da, vielleicht treffe der eine andere Entscheidung. Nach der mit vielen Mückenstichen zur Folter gewordenen Nacht auf einer Flugplatzbank ließ sich der Chef zum Glück erweichen. Ich solle meinen Pass da lassen und nach zwei Tagen bei der Einreisebehörde abholen.

Brazzaville war in der Kolonialzeit die Hauptstadt des gesamten Französisch Äquatorialafrika gewesen, das sich dann in mehrere unabhängige Staaten teilte. Deshalb brauchten die Franzosen dort für ihre Verwaltung ziemlich viele Afrikaner mit einem höheren Bildungsstand. Dadurch gab es ein für afrikanische Verhältnisse überdurchschnittlich entwickeltes Bildungswesen. Nicht wenige Kongolesen hatten in Frankreich studiert. Nach der Unabhängigkeit bedeutete das plötzlich in dem nun sehr kleinen Land ein Überangebot an Intelligenz. Es gab viele hochgebildete Arbeitslose, was immer wieder für politischen Zündstoff sorgte.

Doch während meiner Recherchen kam plötzlich eine überraschende Mitteilung aus Berlin. Der Rundfunk hatte meine Reise nicht mit dem Außenministerium abgestimmt. Ich sollte nichts tun und möglichst schnell wieder abreisen, dabei aber diplomatische Verwicklungen vermeiden. Als ich meinen Pass abholen wollte, war der nicht auffindbar. Ein österreichischer Journalist, der dort freischaffend auch für die "Wochenpost" und für das DDR-Fernsehen arbeitete, hatte glänzende Beziehungen. Mit seiner Hilfe durchsuchte ich die gesamte Einreisebehörde, hatte jeden Pass in der Hand, der dort lag, aber meiner war nicht dabei.

Berlin sagte mir, ich solle so schnell wie möglich nach Kairo reisen, weil ich dort einen neuen Pass bekommen könne. Der ägyptische Konsul war dabei sehr hilfreich. Er meinte, die kongolesischen Behörden müssten mir ein Ersatzdokument ausstellen, und darauf würde er mir ein Visum geben. Doch ich bekam lediglich einen Brief, dass ich den Verlust meines Passes gemeldet hätte. Der Konsul war erschrocken. Auf so etwas habe er noch nie ein Visum gegeben, das bringe ihm Ärger. Doch er habe es mir versprochen, Und so reiste ich nun mit diesem merkwürdigen Passersatz los.

Der Passbeamte in Kairo verzog keine Miene über diesen Zettel. Da ein Einreisevisum darauf war, drückte er wortlos den Einreisestempel auf die Rückseite. Als ich dann endlich meinen neuen Dienstpass hatte, wollte das Generalkonsulat mein seltsames Papier einbehalten. Ich konnte das verhindern, weil ich es als Souvenir behalten wollte. Zum Glück. Denn als ich bei der Ausreise stolz meinen nagelneuen Pass präsentierte, blätterte der Beamte ärgerlich darin herum, weil er keinen Einreisevermerk fand. Als ich ihm dann mein Papier zeigte, schob er achtlos meinen Pass beiseite. "Warum nicht gleich", sagte er und stempelte nun wieder mein Blatt. Ich glaube, nach diesem Anfang hätte ich mit diesem Brief noch um die halbe Welt reisen können.

 
  Zurück zur letzten Seite
Zur nächsten Seite
 
Zur Startseite
Vorwort zum Geleit
Kindheit und Jugend
Journalistische Anfänge
Jahre im Irak
Zwischenstation
Jahre in Afrika
Jahre in Afrika II
Jahre in Afrika III
Mit der FRELIMO im Busch
Gordischer Knoten
Maniokwurzeln als Schulkreide
War ich wirklich in Mocambique?
War ich wirklich in Mocambique?
Nach Hause auf hoher See
In England
Weiter unterwegs1
Weiter unterwegs 2
Weiter unterwegs 3
Persönliche Bilanz
Zeitungsbeiträge und andere Dokumentationen
Presseresonanz auf die Memoiren von Peter Spacek
 
Eine Mail an Peter Spacek senden
Zum Gästebuch
Zum Downloadbereich
Links und Informationen
Zum Impressum
 
 
 
 
 
 
  Reiseportal

Bequem buchen, Zeitersparnis und geschonte Nerven! Erleben Sie die Welt des Reisens! mehr
  Conrad Electronic

Lieferung in nur 2 Tagen - Deutschlands größte Technikauswahl aus 70.000 Produkten! mehr
  1&1 Internet.profi

Mehr als ein Internetzugang: Das Komplettpaket für Ihre komfortable
Kommunikations- und Organisationszentrale!mehr
  Vodafone

How are you? Lassen Sie sich verzaubern von der neuen Handy-Dimension bei Vodafone!
mehr
  T-Mobile-Handys

Handys, PDAs und alles, was Sie für das mobile Internetvergnügen brauchen zu topaktuellen Konditionen! mehr
  1&1 E-Shop

E- Shops für Anfänger und Profis - ab 19,- EUR / Monat! mehr
  0700-Rufnummer

Nur noch eine Rufnummer für alle Anschlüsse - persönlicher geht's nicht! mehr
  E-Plus-Handys

Günstiger mobil telefonieren: faire Tarife für jeden Geschmack. Soooo viel Handy für soooo wenig Geld! mehr
 
T-ISDN

T-ISDN: Anschluss, Komfortanlagen, Telefone und ISDN-Karten, alles supergünstig! mehr