| |
Als ich in meinem eigentlich recht umfangreichen Archiv nachschaute,was
mich dort wohl erwarten würde, stieß ich auf das absolute
Nichts. In dem Land gab es nichts Interessantes. Ein Beitrag in der
Moskauer "Neuen Zeit" beschränkte sich im Wesentlichen
auf Begegnungen in der Hotelhalle. Mir war klar, mein Beitrag würde
aus gähnender Leere bestehen. Weil ich mir aber ausrechnen konnte,
dass ich damit in Berlin kaum Verständnis finden würde, suchte
ich mir unsere NUTA-Ärztin als Verbündete. Sie stellte fest,
dass ich nach der Mocambique-Strapaze und mit einer chronischen Bronchitis
eine solche Reise besser nicht antreten sollte. Das war das einzige
Mal in meinem Leben, dass ich so etwas getan habe.
Interessanter
war dann schon die Republik Kongo (Brazzaville), die diplomatische Beziehungen
auf Gesandtschaftsebene aufnahm. Weil es keine Botschaft in Daressalam
gab und ich auch sonst kein Visum besorgen konnte, telegrafierte ich
dem Informationsminister und bat um Hilfe bei der Einreise. Es kam schlimm.
Der Passbeamte wusste nichts davon und sagte, ohne Visum müsse
ich am nächsten Morgen mit dem gleichen Flugzeug zurückfliegen.
Da sei allerdings auch sein Chef da, vielleicht treffe der eine andere
Entscheidung. Nach der mit vielen Mückenstichen zur Folter gewordenen
Nacht auf einer Flugplatzbank ließ sich der Chef zum Glück
erweichen. Ich solle meinen Pass da lassen und nach zwei Tagen bei der
Einreisebehörde abholen.
Brazzaville
war in der Kolonialzeit die Hauptstadt des gesamten Französisch
Äquatorialafrika gewesen, das sich dann in mehrere unabhängige
Staaten teilte. Deshalb brauchten die Franzosen dort für ihre Verwaltung
ziemlich viele Afrikaner mit einem höheren Bildungsstand. Dadurch
gab es ein für afrikanische Verhältnisse überdurchschnittlich
entwickeltes Bildungswesen. Nicht wenige Kongolesen hatten in Frankreich
studiert. Nach der Unabhängigkeit bedeutete das plötzlich
in dem nun sehr kleinen Land ein Überangebot an Intelligenz. Es
gab viele hochgebildete Arbeitslose, was immer wieder für politischen
Zündstoff sorgte.
Doch
während meiner Recherchen kam plötzlich eine überraschende
Mitteilung aus Berlin. Der Rundfunk hatte meine Reise nicht mit dem
Außenministerium abgestimmt. Ich sollte nichts tun und möglichst
schnell wieder abreisen, dabei aber diplomatische Verwicklungen vermeiden.
Als ich meinen Pass abholen wollte, war der nicht auffindbar. Ein österreichischer
Journalist, der dort freischaffend auch für die "Wochenpost"
und für das DDR-Fernsehen arbeitete, hatte glänzende Beziehungen.
Mit seiner Hilfe durchsuchte ich die gesamte Einreisebehörde, hatte
jeden Pass in der Hand, der dort lag, aber meiner war nicht dabei.
Berlin
sagte mir, ich solle so schnell wie möglich nach Kairo reisen,
weil ich dort einen neuen Pass bekommen könne. Der ägyptische
Konsul war dabei sehr hilfreich. Er meinte, die kongolesischen Behörden
müssten mir ein Ersatzdokument ausstellen, und darauf würde
er mir ein Visum geben. Doch ich bekam lediglich einen Brief, dass ich
den Verlust meines Passes gemeldet hätte. Der Konsul war erschrocken.
Auf so etwas habe er noch nie ein Visum gegeben, das bringe ihm Ärger.
Doch er habe es mir versprochen, Und so reiste ich nun mit diesem merkwürdigen
Passersatz los.
Der
Passbeamte in Kairo verzog keine Miene über diesen Zettel. Da ein
Einreisevisum darauf war, drückte er wortlos den Einreisestempel
auf die Rückseite. Als ich dann endlich meinen neuen Dienstpass
hatte, wollte das Generalkonsulat mein seltsames Papier einbehalten.
Ich konnte das verhindern, weil ich es als Souvenir behalten wollte.
Zum Glück. Denn als ich bei der Ausreise stolz meinen nagelneuen
Pass präsentierte, blätterte der Beamte ärgerlich darin
herum, weil er keinen Einreisevermerk fand. Als ich ihm dann mein Papier
zeigte, schob er achtlos meinen Pass beiseite. "Warum nicht gleich",
sagte er und stempelte nun wieder mein Blatt. Ich glaube, nach diesem
Anfang hätte ich mit diesem Brief noch um die halbe Welt reisen
können. |
|