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Das
sind alles Reisen gewesen, die ich allein unternommen hatte Die hoffentlich
interessanten Sendungen, die daraus resultierten, reflektierten ausschließlich
meine eigenen Erlebnisse und Untersuchungen. Dazu kamen dann aber gelegentlich
Reisen, bei denen ich Mitglieder des Politbüros oder andere DDR-Politiker
zu begleiten hatte. Das erfolgte mit Sondermaschinen der Regierungsstaffel.
Außer dem Rundfunk waren noch ADN, Fernsehen und "Neues Deutschland"
dabei. Dabei sollte es weniger um das betreffende Land, sondern mehr
um die Aktivitäten des jeweiligen Politikers gehen, eine Art "Hofberichterstattung".
Das war natürlich weniger attraktiv.
Es
gab unter diesen Staatsreisen eine große Ausnahme. An die verschiedenen
Reisen mit dem Mitglied des Politbüros Werner Lamberz denke ich
sehr gern zurück. Er war der einzige aus der Parteiführung,
mit dem ich unmittelbar bekannt war, sogar ein sehr gutes Verhältnis
hatte. Unsere Bekanntschaft begann in Mocambiques Hauptstadt Maputo,
wo er 1975 als Vertreter der SED am Kongress der FRELIMO teilnahm. Ich
erzählte ihm, dass ich seinerzeit im Busch das erste Interview
führte, das Samora Machel je hatte und nun eine Kopie der Kassette
mithätte, die ich dem Präsidenten übergeben möchte.
Davon war er sehr angetan und meinte, da er ja noch von Machel empfangen
werde, sollte ich gleich mitkommen. Was sich dann abspielte, wäre
mit keinem anderen Politbüromitglied möglich gewesen. Samora
Machel und die anderen Mitglieder der FRELIMO-Führung stürzten
sich sofort auf die Kassette. Wir unterhielten uns lange über die
damalige Situation, und der eigentliche Hauptgast saß völlig
unbeachtet in der Ecke. Doch er hat es sichtlich genossen und auch später
in Berlin begeistert davon erzählt.
Ich
habe noch weitere Reisen mit Lamberz unternommen. Die nächste ging
durch sechs Länder: Südjemen, Äthiopien, Sambia, Angola,
Kongo (Brazzaville) und Nigeria. Dabei ging es unter anderem darum,
durch eine breiter gefächerte Afrikapolitik dazu beizutragen, dass
die sozialistisch orientierten Länder nicht in eine Isolierung
geraten. Außerdem war in dieser Zeit die Kaffeeversorgung in der
DDR sehr kompliziert geworden, weil durch Missernten eine Krise auf
dem Weltmarkt entstanden war. Werner Lamberz appellierte erfolgreich
an Äthiopien und Angola, nun ihrerseits Solidarität mit der
DDR zu üben.
In
Äthiopien traf ich einen der beiden Militärs aus Sansibar
wieder. Er war inzwischen Militärattache der DDR in Addis Abeba
geworden. In einer äthiopischen Militärmaschine, einer DC
3, flogen wir in die Provinz Kaffa. Wie der Name schon andeutet, war
dort der historische Ursprung des Kaffees. Ich setzte mich neben meinen
alten Bekannten, weil ich hoffte, von ihm etwas über den noch immer
andauernden Ogaden-Krieg zu erfahren. Doch das war nicht möglich.
Der Pilot wollte offenbar seine Künste beweisen und flog die Täler
ganz tief aus. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn
man im Flugzeug durchs Fenster schaut und neben sich Bäume sieht.
Mein Nachbar war zu keinem sachlichen Gespräch zu bewegen. "Das
kann der doch nicht machen", sagte er immer wieder und zitterte
richtig dabei. Ich warf ein, dass ich als Nichtmilitär eigentlich
ein Recht auf Angst habe, aber ich hätte keine. Und er? Er sei
bereit, notfalls auch den Tod fürs Vaterland zu sterben, war seine
Antwort. "Aber doch nicht so!"
Werner
Lamberz war über den Erfolg dieser Sechs-Länder-Reise sehr
glücklich. Er lud uns alle zu einem Essen und einem Umtrunk ins
Gästehaus des Zerntralkommittees ein. Außerdem verfügte
er, dass jeder daran Beteiligte, bis hin zur INTERFLUG-Stewardess, eine
staatliche Auszeichnung erhalten sollte, und zwar eine höhere,
als er schon hat. Da ich bereits den Vaterländischen Verdienstorden
in Bronze hatte, bekam ich nun die 2. Stufe des Ordens "Banner
der Arbeit". Das waren die feudalistischen Züge im Sozialismus.
Werner
Lamberz bemühte sich sehr intensiv, die Eritrea-Frage zu lösen.
Eritrea, einst eine italienische Kolonie, war nach dem 2. Weltkrieg
unter britische Verwaltung gestellt worden. Mit dem Ende des Kolonialismus
gab es in der UNO ein langes Tauziehen, bis schließlich beschlossen
wurde, Eritrea in eine Föderation mit Äthiopien zu bringen.
Doch Kaiser Haile Selassi hielt sich nicht lange daran, sondern verleibte
Eritrea als eine Provinz seinem Lande ein. Seitdem wurde dort ein Befreiungskrieg
geführt.
Auch
nach dem Sturz Haile Selassis, als in Addis Abeba eine revolutionäre
Regierung herrschte, änderte sich nichts daran. Beide Seiten beharrten
auf ihren extrem nationalistischen Positionen, und der Krieg nahm sogar
an Schärfe zu. In der DDR wurde es als außerordentlich tragisch
empfunden, dass sich zwei Bewegungen, die sich sozialistisch nennen
und eigentlich auf der gleichen Seite des Schützengrabens stehen
müssten, so feindlich gegenüber stehen. Der DDR gelang es,
beide Seiten zu einer Geheimkonferenz nach Berlin zu bringen. Doch sie
scheiterte, weil keiner von seinen Maximalforderungen abließ.
Werner Lamberz versuchte eine Pendeldiplomatie zwischen Ländern,
die intern in den Konflikt verwickelt waren. Neben Äthiopien waren
das der damals noch nicht mit dem Norden vereinte Südjemen sowie
Libyen. An der ersten dieser Reisen habe ich teilgenommen. An der zweiten
zum Glück nicht. Denn 1978 kam Werner Lamberz beim Absturz eines
Hubschraubers ums Leben, als er in Libyen Ghaddafi im Zelt des Vaters
in der Wüste besucht hatte. Mit ihm starben der so glänzend
agierende Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen im ZK der
SED, Paul Markowski, ein ADN-Fotoreporter und der Dolmetscher. Ich hatte
sie alle gut gekannt. Es traf mich sehr tief. Ob das eigentlich ein
Attentat auf Ghaddafi war oder auf Lamberz und warum ist nie geklärt
worden. Mit dem Satz "Es war Alalh" hat Lybien die Ermittlungen
blockiert. Die DDR hatte einen ausgesprochenen Hoffnungsträger
verloren, der sich so wohltuend von den meisten anderen Politbüromitgliedern
abhob. |
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