Wieder als Guerilla unterwegs

 
 

Auch nach dem Tode von Werner Lamberz bemühte sich die Abteilung Internationale Verbindungen im ZK der SED in seinem Sinne zur Lösung der Eritrea-Frage beizutragen. Doch niemand wusste, wie es in Eritrea wirklich aussah. Da erhielt die VdgB, die Bauernorganisation der DDR, eine Einladung von dort. Man beabsichtige, eine eritreische Bauernorganisation zu gründen und lade einen Vertreter der VdgB zum Gründungskongress ein. Da ich mir nun durch Mocambique einen gewissen Ruf als Amateur-Guerilla verschafft hatte, verwandelte man mich in einen Journalisten des "Bauern-Echo" und betraute mich mit dieser recht anspruchsvollen Mission.

Das begann damit, dass ich mich im Hause des Zentralkomitees einen ganzen Tag lang in die Unterlagen einlesen musste, die es bei uns über Eritrea gab. Das war zum einen ein sehr umfangreicher Bericht der Auslandsaufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit mit allen Details über die drei existierenden Befreiungsbewegungen – Namen, Charakteristika und Analysen. Mich beeindruckte dabei sehr stark, wie tiefgründig diese Kenntnisse waren. Zum anderen las ich die Protokolle über die Gespräche mit der entsprechenden Abteilung der KPdSU. Damals mussten ja alle außenpolitischen Aktivitäten mit der Moskauer Parteiführung abgestimmt werden. Daraus ging hervor, dass die sowjetische Seite nicht viel von den Bemühungen der DDR hielt, sie aber auch nicht blockieren wollte – unter der Voraussetzung, dass die Positionen des Regimes in Addis Abeba nicht geschwächt werden.

Schon die Hinreise verlief abenteuerlich. Ich flog über London nach Khartum. In London wurden alle Koffer unter die sudanesische Maschine gestellt, und jeder sollte seinen aus Sicherheitsgründen identifizieren. Doch mein Koffer war nicht dabei, auch nach längerem Herumtelefonieren nicht auffindbar. Also musste ich ohne Gepäck losfliegen, eine Verschiebung war nicht möglich. Rosel ist damals viel abverlangt worden. Sie erhielt nach einigen Tagen eine Mitteilung der INTERFLUG, auf dem Westberliner Flughafen Tegel stehe ein Koffer mit meiner Adresse. Was damit geschehen solle? Sie konnte ihn dann in Schönefeld abholen. Aber wo blieb der dazu gehörende Mann?
In Khartum blieb keine Zeit zum Einkaufen, denn alles war minutiös durchorganisiert. Wir waren nachts angekommen, und früh um 7 Uhr fuhr schon mein Überlandbus zur sudanesischen Grenzstadt Casalla. Mitarbeiter der DDRBotschaft gaben mir schnell etwas Wäsche und Zahnzeug. Ich erhielt einen Brief der sudanesischen Sicherheit wegen meines Grenzübertritts. Am Bus wurde ich einem Mann vorgestellt, der mit mir reiste, für mich da sei, den ich aber unterwegs nicht kennen solle.

Die Busreise durch die Wüste vom frühen Morgen bis zum späten Abend bei glühender Hitze war eine schlimme Strapaze. Aber ich konnte auch spüren, wie unterschiedlich die Mentalität der Araber in den einzelnen Ländern ist. Ich war der einzige Europäer in diesem Bus. Während zum Beispiel die Ägypter ausgesprochen theatralisch sind, mich sicher mit Fragen überschüttet hätten, sind die Sudanesen ausgesprochen würdevoll. Auf dem Dach waren Wasserkanister, aus denen durch Schläuche Trinkwasser geschöpft werden konnte. Immer erhielt ich als erster den Becher. Wenn wir an einer Karawanserei hielten, luden sie mich zu Imbiss und Tee ein, vertrieben aufdringliche Kinder. Aber nie hat mich jemand gefragt, was ich eigentlich will.

In Casalla stieß ich auf eine Gruppe französischer Journalisten, mit denen ich dann über die Grenze nach Eritrea fahren sollte. Sie waren, wie sie mir sagten, "Kriegsspezialisten", die immer dort waren, wo es brennt. Sie hatten die letzten Tage der Amerikaner in Vietnam miterlebt, waren in Afrika im Krieg und wollten nun auch in Eritrea Krieg erleben. Mit ziemlichem Stolz sagten sie, von ihnen seien durch Kampfhandlungen schon mehr ums Leben gekommen, als Generale der französischen Armee.

Eritrea war damals etwa zu 90 Prozent in den Händen der Befreiungsbewegungen. Die äthiopische Armee beherrschte nur die Hauptstadt Asmara sowie die Hafenstädte Massawa und Assab. Von Assab gab es einen schmalen Landstreifen, über den die Armee unter militärischer Sicherung Transporte ins äthiopische Kernland bewerkstelligen konnte.

Anders als bei der FRELIMO musste ich nicht laufen. Wir fuhren mit einem Landrover auf sehr holprigen Wegen. Um möglichen äthiopischen Luftangriffen zu entgehen, fuhren wir allerdings nur nachts. Tagsüber hielten wir uns irgendwo in Deckung. Nach drei Nächten erreichten wir unser Ziel, eine Kleinstadt, die auf unterschiedlichen Karten entweder Adi Ugri oder Mendeferra heißt. Sie liegt etwa 50 Kilometer von Asmara an der Strasse nach Addis Abeba.

Mir war der Gedanke etwas merkwürdig, dass ich möglicherweise vor sowjetischen MIGs in Deckung gehen müsse. Doch meine eritreischen Freunde beruhigten mich. Erstens befänden sich in Asmara in der Nähe des Flughafens ihre Leute, die per Funk Mitteilung über Starts und Flugrichtung machten. Zweitens hätten sie wegen des Bauernkongresses von ihrer kärglichen Bewaffnung Fliegerabwehr-MGs gerade hier stationiert. Und schließlich sei es nicht so problematisch: Wenn eine MIG komme, hätte ich über 15 Minuten Zeit, mir eine gute Deckung zu suchen, denn so lange brauche sie mindestens für eine Kurve, um zurückzukommen.

 
  Zurück zur letzten Seite
Zur nächsten Seite
 
Zur Startseite
Vorwort zum Geleit
Kindheit und Jugend
Journalistische Anfänge
Jahre im Irak
Zwischenstation
Jahre in Afrika
Jahre in Afrika II
Jahre in Afrika III
Weiter unterwegs 1
Weiter unterwegs 2
In Simbabwe auf das falsche Pferd gesetzt
uNTERWEGS MIT wERNER lAMBERZ
Wieder als Guerilla unterwegs
Doppelspiel der DDR?
Autopanne in Kairo
Nur Fliegen ist schöner
Weiter unterwegs 3
Persönliche Bilanz
Zeitungsbeiträge und andere Dokumentationen
Presseresonanz auf die Memoiren von Peter Spacek
 
Eine Mail an Peter Spacek senden
Zum Gästebuch
Zum Downloadbereich
Links und Informationen
Zum Impressum
 
 
 
 
 
 
  Reiseportal

Bequem buchen, Zeitersparnis und geschonte Nerven! Erleben Sie die Welt des Reisens! mehr
  Conrad Electronic

Lieferung in nur 2 Tagen - Deutschlands größte Technikauswahl aus 70.000 Produkten! mehr
  1&1 Internet.profi

Mehr als ein Internetzugang: Das Komplettpaket für Ihre komfortable
Kommunikations- und Organisationszentrale!mehr
  Vodafone

How are you? Lassen Sie sich verzaubern von der neuen Handy-Dimension bei Vodafone!
mehr
  T-Mobile-Handys

Handys, PDAs und alles, was Sie für das mobile Internetvergnügen brauchen zu topaktuellen Konditionen! mehr
  1&1 E-Shop

E- Shops für Anfänger und Profis - ab 19,- EUR / Monat! mehr
  0700-Rufnummer

Nur noch eine Rufnummer für alle Anschlüsse - persönlicher geht's nicht! mehr
  E-Plus-Handys

Günstiger mobil telefonieren: faire Tarife für jeden Geschmack. Soooo viel Handy für soooo wenig Geld! mehr
 
T-ISDN

T-ISDN: Anschluss, Komfortanlagen, Telefone und ISDN-Karten, alles supergünstig! mehr