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Die
Volksrepublik China war am 1. Oktober 1949 proklamiert worden, genau
eine Woche vor der DDR. Das war ein revolutionärer Einschnitt in
der gesamten Weltgeschichte. Ich erinnere mich noch gut, wie herzlich
damals die Zusammenarbeit war. Das hatte mitunter sogar lustige Züge.
Bei der Zusammenarbeit beider Nachrichten- und Bildagenturen wollte
man ein freundschaftliches Zeichen setzen und beim Austausch chinesische
Bildunterschriften liefern. Schließlich fand man in Leipzig eine
alte Dame, die vor dem ersten Weltkrieg das damalige Chinesisch gelernt
hatte. So stand denn unter einem Foto von der Eröffnung der Pionierrepublik
am Wehrbellinsee: "Wilhelm Pieck, Kaiser aller Deutschen..."
Während
unserer Jahre in Bagdad hatten wir sehr enge persönliche Beziehungen
zu den beiden Korrespondenten der Nachrichtenagentur Hsinhua. Die Frau
des einen erwartete ihr erstes Kind. Sie kam zu uns nach Hause, um bei
Rosel zu lernen, wie man wickelt. Die Kinder spielten im Garten der
Chinesen zusammen. Als wir in die DDR zurückkehrten, gab man uns
zu Ehren ein großartiges Abschiedsessen. Das erste Mal in unserem
Leben, dass wir chinesisch aßen.
Später
zog eisige Kälte in die Beziehungen. In China begann die "Große
Proletarische Kulturrevolution", eine Art Steinzeitkommunismus.
Die Beziehungen zur Sowjetunion verschlechterten sich, bis hin zu militärischen
Auseinandersetzungen an der Grenze in Fernost. Statt der DDR wurde nach
und nach die BRD zum geschätzten Partner. Der erzkonservative bayerische
Politiker Franz Josef Strauß und andere westliche Prominenz waren
häufig Ehrengäste in Peking.
Nach
dem Tode Mao tse Tungs normalisierte sich das Leben allmählich
wieder, auch die Beziehungen nach außen. Nachdem inzwischen Hunderte
von westdeutschen Journalisten China besucht hatten, meinte unser Außenministerium,
nun sei es Zeit, dass auch die DDR wieder aktiv werde. Alles wurde sehr
behutsam überlegt. Fernsehen sei in dieser Anfangsphase zu spektakulär,
"Neues Deutschland" zu offiziell. Der Rundfunk sei das Günstigste,
und dabei wiederum ich als Leiter der Redaktion Asien-Afrika-Lateinamerika,
zumal
ich in Peking nicht registriert war. Also machte ich mich 1982, von
meinen Kollegen sehr beneidet, auf den Weg.
Auch
die chinesische Seite honorierte diesen Neubeginn. Als Dolmetscher und
Betreuer erhielt ich einen höheren Beamten aus dem Außenministerium,
der zu mir ins Hotel zog und mit mir reiste. Später wurde er der
zweite Mann an der chinesischen Botschaft in Berlin. Schon am zweiten
Tag erhielt ich von der Presseabteilung des Außenministeriums
eine Einladung für eine Peking-Ente. Mit mir saß dort die
Hälfte der Presseabteilung. Ich fühlte mich sehr geehrt. Bis
ich dann bei späteren Besuchen merkte, dass ich immerzu eingeladen
wurde und immer so etwa ein Dutzend Chinesen mit mir saßen. Die
cleveren Chinesen hatten einfach eine Lösung gefunden, wie sie
auf Staatskosten mal wieder so richtig und teuer dinieren konnten.
Es
gab noch andere Merkwürdigkeiten. Mein Betreuer reiste mit mir,
wohnte im gleichen Hotel – in Shanghai, Nanking und Hangzshou
– aber er aß nicht mit mir, sondern in einem anderen Speisesaal,
wahrscheinlich auch nicht schlechter. Als Ausländer musste man
seine Dollars in "Foreign Exchange Certificates" umtauschen.
Sie waren wie normales chinesisches Geld gestückelt. Man konnte
mit ihnen auch in chinesischen Geschäften einkaufen. Aber bestimmte
Dienstleistungen wie Taxi, Hotel oder auch Einkäufe in den Ausländern
vorbehaltenen Friendship Stores konnte man als Ausländer nur mit
solchen Zertifikaten bezahlen. Im Unterschied zu den Intershop-Devisenläden
in der DDR gab es allerdings alles auch in den normalen chinesischen
Geschäften, mitunter sogar billiger. Weil mir dieses wegen der
Währung getrennte Essen gegen den Strich ging, überredete
ich ihn, wenigstens einmal mit mir auf meine Kosten zusammen in einem
normalen Restaurant zu essen. Dort hat es genau so gut geschmeckt, ich
habe sogar zum ersten Mal in meinem Leben Schlange gegessen. Aber was
es in den Ausländerrestaurants nicht gab: Dort gingen ärmliche
Frauen von Tisch zu Tisch und räumten die Essensreste in ihre Taschen. |
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