| |
Recht
zwiespältig waren die Eindrücke im benachbarten Peru. Während
Chile mit seinen stark ausgeprägten Mittelschichten ein ziemlich
durchwachsenes Bild bot, gab es in Peru einen solchen Gegensatz zwischen
arm und reich, wie ich ihn so krass noch nie erlebt hatte. In der Hauptstadt
Lima reiten sich teure Villen aneinander, bei denen man den Eindruck
hatte, der Rasen sei mit der Nagelschere geschnitten. In den Außenbezirken
dagegen und noch viel armseliger außerhalb der Stadt waren solche
Elendsviertel, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass da Menschen
leben konnten. Zu meiner Verblüffung entdeckte ich in mir sogar
eine Art von Rassismus. Afrikaner hatte ich mit ihren ärmlichen
Hütten erlebt, und das im Laufe der Jahre sogar schon als fast
normal empfunden. Hier sah ich Weiße unter noch schlimmeren Bedingungen,
und das berührte mich beinahe stärker.
In
Peru herrschte ein Militärregime, das bei uns als fortschrittlich
galt. Gegenüber der vorigen Regierung war es das sicher auch. Aber
es ist eben alles relativ. Zum Fortschrittsprogramm der Militärs
gehörte die Bildung von Genossenschaften. Da Peru sehr stark vom
Fischfang lebt, glaubten wir, dass wir alles am besten mit Fischereigenossenschaften
bündeln könnten. Im dafür zuständigen Direktorat
empfing uns als Chef ein Oberstleutnant. Er hielt einen langen Vortrag,
zu dem zivile Mitarbeiter in geradezu peinlich devoter Haltung Karten
und Tabellen entrollten. Dann sagte er, in einigen Tagen werde in Pisco
eine neue Genossenschaft gegründet, wozu er uns einlade.
Pisco
ist ein Fischereiort an der Küste, bekannt auch durch einen etwas
säuerlicher Schnaps, der so heißt. In dem Saal hatte vorn
auf der Bühne Platz genommen, was dort zur Elite der Stadt gehörte:
Der Bürgermeister, der Pfarrer, der Gefängnisdirektor. Die
Mitglieder der neuen Genossenschaft wurden einzeln aufgerufen. In unterwürfiger
Haltung kamen sie nach vorn und holten mit einer tiefen Verbeugung ihre
Urkunden ab. Für die Bildung einer Genossenschaft hatte ich ein
solches Bild eigentlich nicht erwartet.
Dann
begann der fröhliche Teil. Zum Essen gab es köstliche Schalentiere.
Dazu floss der Pisco in Strömen. Das erste Opfer war der sonst
so steife Oberstleutnant. Peru sei ein starkes Land, lallte er. Eines
Tages werde es auch Deutschland erobern. Als ich entgegnete, dass er
herzlich willkommen sei, wenn er nur die herrlichen Meeresfrüchte
mitbrächte, wollte er mich abschmatzen. Dann kamen die vorher so
devoten zivilen Mitarbeiter. Der Oberstleutnant sei strohdumm, erklärten
sie in ihrer Trunkenheit. Er könne reden, was er wolle, sie würden
bestimmen, wie es langgeht. Nein, sehr begeistert bin ich aus Peru nicht
weggefahren.
|
|