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Die
folgenden Jahre waren dann wieder mit der normalen Redaktionsarbeit
ausgefüllt. Inzwischen hatte ich in der Außenpolitik die
Leitung der Redaktion Asien-Afrika-Lateinamerika übernommen. Ich
hatte etwa 15 Mitarbeiter, mit Korrespondentenbüros in Neu Delhi,
Peking, Havanna, Santiago de Chile, Kairo und Daressalam, später
Luanda. Der Rundfunk war in der DDR die journalistische Institution
mit der umfangreichsten und wohl auch qualitativ besten Außenpolitik.
Ich hatte unter meinen Mitarbeitern promovierte Sinologen, Arabisten
und Lateinamerikanisten, sowie anderen Experten mit langjährigen
Regionalerfahrungen. Das ist ein Luxus, den sich heutige Rundfunkstationen
kaum leisten. Doch mehr zum Thema Journalismus später.
Wieder
standen interessante Auslandsreisen auf dem Programm. Durch den für
uns alle ziemlich überraschenden Sturz des faschistischen Caetano-Regimes
in Portugal, durch die Nelken-Revolution in Lissabon brach 1974 das
portugiesische Kolonialreich zusammen. Mocambique wurde frei.
Das
war natürlich aufregend, die ersten Schritte in die Freiheit mit
zu erleben und meine alten Kumpel aus dem Busch nun in staatlicher Verantwortung
zu sehen. Ich flog in die Hauptstadt Maputo, die damals noch Laurenco
Marques hieß. Zu mir stieß auch ein Kollege vom "Neuen
Deutschland". Vor wenigen Tagen war gerade ein Putsch gescheitert,
mit dem einige portugiesische Siedler den Sieg der FRELIMO noch verhindern
wollten. Sie hatten das Gebäude des Rundfunks gestürmt und
einige Tage besetzt gehalten. Doch es nützte ihnen wenig, weil
der Chefingenieur, auch ein Portugiese, die Verbindung zu den Sendetürmen
trennte, so dass ihre Aufrufe stumm blieben. Da sich auch die Armee
dagegen stellte, mussten sie aufgeben.
Vor
der Proklamation der Unabhängigkeit war zunächst zur Hälfte
aus FRELIMO und zur Hälfte aus Portugiesen eine Übergangsregierung
gebildet worden, mit Chissano als Ministerpräsidenten. Aus den
Kampfgebieten im Busch wurden einige Dutzend FRELIMO-Kämpfer eingeflogen,
die nun die neue Macht repräsentierten mussten. In ihren zerschlissenen
Uniformen pattroulierten sie zu zweit mit ihren Kalaschnikows durch
die Stadt. Ich habe sie bewundert. Sie standen völlig auf sich
allein, hatten noch nie eine solche Stadt gesehen. Und das inmitten
von Tausenden portugiesischer Soldaten, die zum Teil betrunken in den
Vergnügungslokalen herumlungerten. Zum Glück passierte nichts.
Die FRELIMO-Funktionäre waren in einem modernen Hochhaus einquartiert,
das einschließlich Elektroherd sämtliche Annehmlichkeiten
aufwies. Doch sie kochten im Hof auf offenem Feuer, um sich "nicht
zu verweichlichen". Das wurde später freilich anders.
Aus
aller Welt waren Korrespondenten angereist. Vielen ging es nicht um
das historische Ereignis der Unabhängigkeit. Die Story, auf die
sie hofften, sollte die "Nacht der langen Messer" sein, wenn
nun die Afrikaner losschlugen. Doch nichts dergleichen geschah.
Trotzdem
wollten sie nicht von ihrer Story lassen. Vor mir hatte im Funkhaus
manchmal der BBC-Korrespondent sein Überspiel. Er erzählte
von Vorfällen, die es nicht gab, später dann zumindest von
einer "gespenstischen Ruhe". Im Landesinneren traf ich einen
westdeutschen Ingenieur, der bei einem Bauunternehmen für das Staudammprojekt
Cabora Bassa arbeitete. Er wurde etwas zurückhaltend, als er erfuhr,
welchen Beruf ich habe. Später sagte er warum: Ein ZDF-Team habe
sie dazu bewegen wollen, ihr Haus zur Verteidigung gegen einen vermuteten
schwarzen Angriff herzurichten. Sie hätten natürlich abgelehnt,
denn eine solche Gefahr war völlig aus der Luft gegriffen. Ihnen
war außerdem ziemlich egal, wer regiert, wenn sie nur Geschäfte
machten. Doch das zeigt, wie sehr auch ein "beweiskräftiges"
Bild im Fernsehen eine Lüge sein kann. |
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