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Kugelschreiber und Kalaschnikow

In Quelimane an der Sambesi-Mündung begrüßte uns der FRELIMOKommandeur mit der Bemerkung, dass wir die erste ausländische Delegation seien, und noch dazu aus der DDR. Natürlich seien wir seine Gäste.

Aber er habe kein Geld. Also rief er den portugiesischen Armeekommandeur an, dass der das übernehme. Zusätzlich zur Übernahme der Kosten im Hotel bekamen wir sogar einen Armee-Jeep mit einem Unteroffizier als Fahrer. Er sprach etwas englisch und schimpfte auf seine Offiziere.

 
   
  Die FRELIMO-Kommandeure seien viel klüger, sagte er. Im Auto führte er eine FRELIMO-Fahne mit, die er aufpflanzte, wenn wir unterwegs waren. Als mal gerade nichts los war, sagte er, er wolle uns seine Kaserne zeigen. So fuhren wir ohne jede Kontrolle durch die portugiesische Armeekaserne, in der die Soldaten eigentlich mehr herumlungerten. Es war kein übermäßig militärisches Bild.
Abgesehen von der Aktion "Gordischer Knoten" hatte ich auch
 
  Präsident Joaquim Chissano  
 

in der Zeit im Busch den Eindruck, dass die portugiesischen Soldaten nicht so scharf auf einen Heldentod waren. Für meine Begriffe kämpften sie unter ihren Möglichkeiten. In der Provinz Cabo Delgado zeigte mir später der RELIMOArmeechef einige Briefe, die ihm portugiesische Kommandeure aus den eingeschlossenen Stützpunkten noch vor dem Ende des Kolonialregimes zugeleitet hatten. Sie wollten eine Art privaten Waffenstillstand. Sie würden keine bewaffneten Ausfälle unternehmen, wenn sie die FRELIMO dafür nicht angriffe.

Doch wieder zur Zeit nach dem Ende des Kolonialregimes. Im Hotel wurde ich wieder ein Opfer meiner Sprachversuche. Ich brauchte Streichhölzer.

Auf der Schachtel, die ich hatte, stand "Fosforeira". Phosphor musste ja mit Streichhölzern zu tun haben. Also verlangte ich das. Der Barkeeper griente, aber gab mir eine Schachtel. Mit "Fosforeira" hatte ich eine Streichholzfabrik verlangt. Streichhölzer hätten Fosforos geheißen.

Mit unserem portugiesischen Unteroffizier fuhren wir dann in einen Ort, in dem die FRELIMO noch nie zuvor gewesen war. Auch aus den umliegenden Dörfern waren viele gekommen. Es waren Tausende auf der Kundgebung. Eigentlich wollte ich mich darunter mischen und ungestört fotografieren. Doch der Kommandeur sagte "Wir brauchen Dich" und zog mich auf den LKW, der als Tribüne diente. In seiner flammenden Rede zeigte er plötzlich auf mich: "Dieser Camerade hat mit uns gekämpft", sagte er.

Einige Zuhörer lachten. Ein Weißer? Es wurde ein geradezu schallendes Gelächter, als er zu meinem Kugelschreiber griff, ihn hoch hob. "Und das ist seine Waffe." Doch nun hob er seine Kalaschnikow und zeigte auf einen entfernt stehenden Baum: "Mit dieser Waffe kann ich bis dort hin schießen. Mit dieser Waffe aber", und nun war wieder mein Kugelschreiber an der Reihe, "kommt dieser Camaerade um die ganze Welt". Als er die Zusammenhänge erklärte, bündelte sich plötzlich in mir und meinem simplen Schreibgerät die ganze Hilfe der DDR und anderer sozialistischer Staaten: Die Hilfslieferungen für die FRELIMO, die Ausbildung von Mocambiquanern, dass wir Verwundete in die DDR gebracht und dort gesund gepflegt hätten.

 
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