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In
der Übergangszeit flog ich noch ein zweites Mal nach Mocambique.
Die DDR wollte sofort mit der unmittelbar bevorstehenden Proklamierung
der Unabhängigkeit mit ihrer solidarischen Hilfe beginnen und schickte
deshalb zur Vorbereitung eine Delegation aus hochrangigen Vertretern
verschiedener Ministerien. Wir flogen mit einer IL 62, die auch mit
Soli-Gütern voll beladen war. In Daressalam machten wir eine Zwischenlandung
um erste Gespräche mit der FRELIMO-Führung zu führen,
die sich damals vor ihrer Übersiedlung nach Mocambique noch dort
befand.
An
diesem Tage wurde der norwegische König zu einem Staatsbesuch erwartet.
Unsere Maschine sollte deshalb nicht auf dem Rollfeld stehen und wurde
zum Militärteil des Flughafens geleitet. Der Pilot sah die Konsequenzen
und wollte dem Mann mit der Kelle zunächst nicht folgen. Doch ihm
blieb schließlich nichts anderes übrig. Und dann kam das
Problem: Hätte er vor dem Start dort die Triebwerke gezündet,
wären die leichten Hangars weggeflogen. Um die IL 62 wegzuziehen,
wurde ein Traktor mit einem Seil davor gespannt. Doch der Traktor machte
Männchen, mit den Vorderrädern nach oben, das Seil riss, die
Maschine bewegte sich keinen Millimeter. Dann nahm man drei Traktoren,
und genau das gleiche wiederholte sich nun dreifach. Schließlich
holte man eine Straßenbaumaschine, und mit ihr gelang es schließlich,
die IL 62 auf Startposition zu bringen.
Der
Delegation gehörte ich an, weil ich der einzige in der DDR war,
der Mocambique kannte. Außerdem sollte ich mich um die Medien
kümmern. Ich besuchte den Rundfunk sowie die verschiedenen Zeitungsredaktionen,
machte mich mit deren Arbeitsweise vertraut. Zu meiner Überraschung
führte mich der Informationsminister auch zur Bank von Mocambique,
zu deren Informationsabteilung. Denn was ich nicht wusste: Die großen
westlichen Banken, mit denen die mocambiquanische damals noch verbunden
war, verfügten über ein international verflochtenes und hervorragend
organisiertes Informationssystem mit zum Teil sehr vertraulichen Daten.
Als ich den Chef dieser Abteilung bat, er solle mir doch Beispiele von
seinen Schätzen nennen, nannte er zunächst den CSU-Vorsitzenden
Franz Josef Strauß. Damals gab es eine Konstellation, dass Strauß
eventuell Bundeskanzler werden könnte. Er hatte eine vertrauliche
Einschätzung, wie französische Wirtschaftskreise darauf reagierten.
Dann brachte er einen absoluten Knüller. Die DDR müsse jetzt
mehr für sowjetisches Erdöl bezahlen, sagte er, und lichtete
mir die entsprechenden Zahlen ab. Ich zeigte sie abends Ernst Höfner,
dem zu unserer Delegation gehörenden stellvertretenden Finanzminister
der DDR, der sehr erschrocken darauf reagierte. Vor seiner Abreise aus
Berlin habe sein Minister die Zahlen aus dem Panzerschrank geholt, ihm
gezeigt, und sofort wieder weggeschlossen. Notieren durfte er sie nicht.
Aber es waren diese Zahlen.
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