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Zu
dem, was die Leute der DDR besonders verübelten, gehörte die
Informationspolitik. Es war ja auch wirklich schlimm, was da abends
in der "Aktuellen Kamera" des Fernsehens lief. Natürlich
gab es auch interessante Berichte aus aller Welt. Davor kam aber als
gebündelte Langeweile in penetranter Ausführlichkeit, was
Erich Honecker, der Generalsekretär des Zentralkomitees der DDR
und Vorsitzende des Staatsrats der DDR (immer mit vollem Titel) oder
andere Mitglieder des Politbüros getan hatten, auf welchen internationalen
Begegnungen "gemeinsam interessierende Fragen in voller Übereinstimmung"
behandelt wurden, welche Traktorenbrigade besonders erfolgreich bei
der Frühjahrsbestellung war. Inhalt und Reihenfolge wurden jeden
Abend nicht vom Fernsehen, sondern vom "Großen Haus",
der Agitationsabteilung im Zentralkomitee festgelegt. Über Ereignisse
in anderen Ländern, zu denen die Parteiführung noch keine
endgültige Meinung hatte, wurde zunächst ein "Tabu"
verhängt.
Nun
konnte man aber außer im Raum Dresden überall das Westfernsehen
empfangen. Und paradoxerweise wurde das sogar gefördert. In Neubrandenburg
gab es Verkabelungen. Die in der DDR produzierten Farbfernseher schalteten
von dem bei uns eingeführten französischen SECAM-System bei
Westsendern automatisch auf das westdeutsche PAL-System um. In der Volksarmee,
deren Angehörigen das Westfernsehen verboten war, gab es eine neue
Anordnung des Ministers, wonach es in Einrichtungen der Armee verboten
sei. Ohne es ausdrücklich so zu nennen, hieß das also, dass
es zu Hause erlaubt war.
Freilich
gab es auch Anlässe, manches zu beeinflussen. Als Spanien seinen
Kolonialbesitz Spanisch-Sahara aufgab, verleibte sich Marokko das Gebiet
kurzerhand ein. Es bildete sich die Befreiungsbewegung POLISARIO, die
für die Unabhängigkeit kämpfte. Nach einiger Zeit brachte
"Neues Deutschland" ohne jede Wertung einen reinen Lexikon-Beitrag
über die POLISARIO. Das hatte zur Folge, dass Marokko seine diplomatischen
Beziehungen zur DDR abbrach – mit unangenehmen Folgen für
unsere Landwirtschaft, weil wir von dort Phosphat bezogen. Dieses Beispiel
wurde uns immer wieder vorgehalten.
Pakistan
spielte eine sehr negative Rolle im Afghanistan-Krieg. Wir hatten aber
ein Luftverkehrsabkommen, und ohne in Karatschi zwischenzulanden, wäre
keine INTERFLUG-Maschine nach Vietnam gekommen. Das sollten wir uns
immer vor Augen halten. Auch bei bevorstehenden Verhandlungen im Außenhandel
gab es solche Empfehlungen für das betreffende Land. Vor der Leipziger
Messe war es immer die BRD, die aus der Schusslinie genommen wurde.
Weil damals Willy Brandt als Bundeskanzler amtierte, sprachen wir Journalisten
von "Brandschutzwochen". Nach unserem Empfinden wurden solche
Gründe aber völlig überbewertet und auch sinnlos ausgedehnt.
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