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Als
1949 die DDR proklamiert wurde, war zuvor bereits die Bundesrepublik
gegründet worden. Von deren Bundeskanzler Adenauer gab es das Wort
"Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb".
Im Unterschied zum späteren Kanzler Willy Brandt, unter dem progressivere
und auch antifaschistische Züge in die Politik kamen, gab es eine
äußerst rechtslastige konservative und restaurative Politik.
Nach der verheerenden Katastrophe, die Deutschland erlebt hatte, blieb
das alte Gesellschaftssystem ziemlich unverändert. Die alten Nazi-Beamten
machten sich wieder breit, an deren Spitze der Kommentator der antisemitischen
Nürnberger Rassengesetze, Globke, der Adenauers Staatssekretär
wurde. Sein Pressesekretär, Felix von Eckardt, hatte den Nazifilm
"Hitlerjunge Quex" gedreht.
Dagegen
etwas anderes zu setzen, war schon gut, auch aus heutiger Sicht. Nicht
ohne Grund sind die meisten der emigrierten Großen des deutschen
Geisteslebens bei ihrer Rückkehr in die DDR gekommen, wie Arnold
Zweig, Anna Seghers, Bert Brecht. Auch Heinrich Mann wollte das, starb
aber während der Vorbereitung.
Beträchtlich
waren die sozialen Umwälzungen. Es gab keine großen Reichtümer,
aber auch keine Armut wie heute, keine Obdachlosen. Niemand musste Angst
haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Bildung und Entwicklungsperspektiven
hingen nicht mehr von der Brieftasche des Vaters ab. Das sind zivilisatorische
Leistungen, die einmalig in der deutschen Geschichte dastehen. Ich glaube
nicht, dass mein Lebensweg unter anderen Bedingungen so möglich
gewesen wäre. Unser Ivo entwickelte über eine Singegruppe
seine Liebe zur Musik. Neben seiner Arbeit als Werkzeugmacher besuchte
er eine Musikschule, die für ihn ein Klavier in unsere Wohnung
stellte, ihn dann zur Musikhochschule delegierte. Ich weiß nicht,
wie so etwas heute finanzierbar wäre. Bei einem Besuch meiner alten
Oberschule bin ich erschrocken, als ich an einem Aushang las, was heutzutage
allein das Ausleihen eines Musikinstruments kostet.
Warum
musste das, was vielen Gutes brachte, so erstarren? Ich habe mal gelernt,
die Weisheit der Partei bestehe darin, neu entstehende Fragen rechtzeitig
zu erkennen und mit Lösungen darauf zu reagieren. Diese Weisheit
ist gründlich verloren gegangen, wenn sie jemals bestanden hat.
Als es 1989 überall brodelte und überall gesagt wurde, dass
es so nicht weiter gehen könne, fand die SED nicht einmal ein Wort
für ihre eigenen Genossen. Ein hauptamtlicher Parteifunktionär,
der in unserem Haus wohnte, kam völlig ahnungslos und hilflos aus
dem Urlaub. Er fragte mich, ob es denn keine Orientierung gebe, wenigstens
intern? Ich konnte ihm nur antworten: "Wir setzen unsere schärfste
Waffe ein – revolutionäres Schweigen!"
Der
Parteiführung ist sicher zu glauben, dass sie stolz darauf war,
in der DDR die Ideale ihrer Jugend verwirklicht zu haben. Nur: Inzwischen
sind neue Generationen herangewachsen, und jede Generation hat nun mal
ihre eigenen Ideale, stellt neue Fragen. Das musste ich ja auch bei
meinen Söhnen spüren Das Nichtbegreifen solcher völlig
normalen Prozesse, das sture Festklammern an alten Bildern hat den Zusammenbruch
der DDR vielleicht nicht ausgelöst, aber auf jeden Fall beschleunigt.
Ein
ehemaliger Bürgerrechtler, der sich aber nach der Wende bald wieder
zurückgezogen hat, der Rechtsanwalt Henrich aus Eisenhüttenstadt,
hat in der Endphase der DDR ein hochinteressantes Buch geschrieben:
"Der vormundschaftliche Staat". Mir scheint, dass sich schon
in dieser Formulierung vieles über das Wesen der DDR bündelt.
Es sollte alles zum Besten der Menschen geschehen. Aber was das Beste
ist, wurde oben entschieden. |
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